Manche von uns haben ein anderes „Betriebssystem“ im Kopf. Im Browser sind 43 Tabs offen, irgendwo läuft Musik. Unser Gedächtnis ist ein Nudelsieb, und die Welt ziemlich kompliziert.
Kein Wunder, dass Standardmethoden bei neurodiversen (aka ND) Menschen oft nicht oder nicht ausreichend greifen. Die hundertste Anleitung, wie man die optimale To-Do-Liste erstellt…ja, wir wissen alle, wie das funktioniert. Funktioniert halt nur bei uns nicht. Und nun?
Das passende Programm
Es braucht das passende Programm für das installierte Betriebssystem: MS Access läuft eben nicht auf MacOS 🤷🏻♀️ Neurodiverse Menschen benötigen Werkzeuge, die zu ihrer Denkweise passen, denn sie stehen vor besonderen Herausforderungen, das können z.B. sein:
Zeitblindheit: 5 Minuten fühlen sich an wie eine Stunde, eine Stunde fühlt sich an wie 5 Minuten
Überforderung durch Priorisierung: Alles erscheint gleich wichtig oder unwichtig
Überlastungserscheinungen: Scheinbar kleine Entscheidungen können zu einer grossen Blockade führen
Schuldzuweisungen durch Aussenstehende: Aussagen wie „Du musst dich halt mal anstrengen!“ werden häufig gemacht, sind aber hochgradig kontraproduktiv
ND-freundliche Strategien
Die Schöne ist, es ist gibt auch für neurodiverse Menschen eine grosse Auswahl an Strategien, die funktionieren. Diese Strategien müssen passgenau auf die Person abgestimmt werden. Das machen wir individuell im persönlichen Gespräch und in begleitenden Übungen. Dadurch entstehen Lösungen, die:
Flexibel genug sind, um Blockaden zu vermeiden
Stabil genug sind, um Halt zu geben
Input und Intake durch verschiedene sensorische Kanäle unterstützen
Energie managen, statt Zeit zu verplanen
Wenn du herausfinden möchtest, wie dein Arbeitsalltag einfacher werden kann, melde dich gerne:
Hier sind 3 schnelle ND-freundliche Tipps zum Mitnehmen:
Thema Zeitblindheit: Nutze Timer mit Beschriftung ( da helfen auch farbige Post-its) wie „eMails 20 Minuten“ statt klassischer Wecker.
ThemaPrioritäten: Schreibe Aufgaben auf Kärtchen und sortiere sie nicht nach Wichtigkeit/Dringlichkeit, sondern nach Energiebedarf.
ThemaÜberforderung: Wenn alles zu viel wird, erst einmal atmen. Und dann frage dich: Was kann ich als Nächstes tun?“ statt „Was muss ich alles tun?“
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Hier ist ein freundlicher Notfallkoffer mit ausgewählten Mini-Strategien für den Alltag 🧳
Erinnerst du dich an die Tipps und Tricks aus dem Selbsthilfebuch oder dem Coaching, die dir helfen sollen, im Alltag gelassener zu bleiben, und dich nicht in deinen Emotionen zu verlieren?
Wenn alles im grünen Bereich läuft, hast du bestimmt kein Problem damit, diese Strategien abzurufen. Wenn es aber hart auf hart kommt, und du keine Möglichkeit zum Nachdenken hast, können ausgewählte Mini-Strategien dir helfen, von der Abwärts- wieder in die Aufwärtsspirale zu kommen. Und das funktioniert hauptsächlich über den Körper: Wenn sich unser Kopf nicht beruhigen kann, dann kann stattdessen unser Körper den ersten Schritt machen. Tiefes Atmen, Wahrnehmen von Stille, oder eine kleine Handlung – all das kann eine Abwärtsspirale bremsen.
Aber Achtung!
Natürlich ersetzen die folgenden Impulse nicht die seriöse und strukturierte Auseinandersetzung mit deinen Themen mit und durch eine Fachperson.
Im Notfall, z.B. bei akuten oder chronischen Atem- oder Kreislaufbeschwerden, zögere nicht, dir umgehend Hilfe zu holen!
Mini-Strategien für den Alltag
Fühlst du dich emotional stumpf und leer? Spritz dir richtig kaltes Wasser ins Gesicht!
Der starke Reiz macht dich wach und holt dich zurück in den Moment.
Fahren deine Gedanken in deinem Kopf Karussell ? Balle deine Fäuste 10 Sekunden lang fest zusammen. Dann lass‘ langsam los.
Fühlst du Herzrasen oder Angstgefühle? Lege eine Hand auf deine Brust, eine auf deinen Bauch. Atme dann langsam ein und noch langsamer aus.
Eine ruhige Atmung signalisiert deinem Nervensystem: „Alles ist gut.“
Du hast keine Lust auf gar nichts? Stell‘ dir einen Timer und widme dich z.B. deiner Steuererklärung einfach nur für 5 Minuten. Selbst wenn das nur das in die Hand nehmen und Sortieren einiger Unterlagen bedeutet. Danach kannst du wieder doomscrollen.
Der schwerste Teil ist immer der Anfang und einzelne kleine Schritte bringen dir mehr als das Warten auf den grossen Motivationsschub.
Du badest in deinen Selbstzweifeln? Richte dich auf, Brust raus, Blick nach vorne.
Deine Haltung beeinflusst deine Gefühle mehr als du denkst.
Echtes Tageslicht, frische Luft, ein Spaziergang oder auch nur ein reizarmer Moment helfen dem überlasteten Kopf.
Du stehst gerade irgendwie neben dir? Nenne 3 Dinge, die du siehst. 3 Dinge, die du hörst. 3 Dinge, die du spürst.
Das verankert dich wieder in der Realität.
Du möchtest weinen, aber es kommt einfach nichts? Nimm dir die Zeit. Setz dich hin und lege eine Hand auf dein Herz.
Manchmal brauchen Gefühle erst Sicherheit, um fliessen zu können.
Du bist total überreizt oder vollkommen erschöpft? Such‘ dir ein ruhiges Plätzchen (und wenn es das WC ist 🚻) und stell‘ deinen Timer. Schliess‘ für eine Minute deine Augen und tu einfach mal nichts. Gar nichts.
Ruhe ist oft genau das, was ein überforderter Kopf braucht.
Du fühlst dich blockiert und festgefahren? Mach‘ jetzt einfach nur EINE Sache, für die dein zukünftiges Ich dir danken wird. Räum‘ die Spülmaschine aus. Verschiebe 2 eMails aus deinem Posteingang. Schneide dir einen Teller Obst.
Selbstvertrauen wächst durch Handlung.
Bonus-Tipp: Wenn du das Gefühl hast, diese Mini-Strategien könnten dir helfen, speicher‘ sie dir einfach auf dem Natel oder druck‘ sie dir aus.
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Foto von Ahna Hubnik (University of North Texas) für den Artikel „Turning the Page“
Das auf dem Foto ist Ross McCammon, ein US-amerikanischer Autor, Redakteur, und Kolumnist. „Two Beers and a Puppy“ ist ein einfacher, aber effektiver Test, den er während seiner Zeit bei Esquire entwickelt hat.
Two Beers and a Puppy
Dieser Test hilft einem dabei, herauszufinden, wie man die Beziehung zu einer spezifischen Person wahrnimmt. Dazu sucht man sich eine Person in seinem Umfeld aus – die nette Nachbarin mit dem Yorkie, den Schwippschwager, oder Ulrike aus der Yoga-im-Park-Gruppe – und stellt sich zwei Fragen:
🍺 Möchte ich mit dieser Person nach Feierabend zwei Bier* trinken gehen?
🐕 Möchte ich dieser Person meinen Hund für ein ganzes Wochenende anvertrauen?
*Es muss nicht zwingend Bier sein, es eignet sich im Grunde jedes Getränk für dieses Gedanken-, bzw. praktische Experiment. Zum Beispiel auch dieser alkoholfreie Cocktail mit Koriander 🌿:
Mittels der ersten Frage 🍺 finden wir heraus, ob wir uns gerne in Gesellschaft dieser Person befinden. Die zweite Frage 🐕 beleuchtet das persönliche Vertrauensverhältnis: Würde ich dieser Person etwas anvertrauen, das mir selbst ausgesprochen wichtig ist? Die möglichen Antworten geben uns Aufschluss über die Qualität unserer Beziehung.
Ja und ja: Wenn wir richtig Glück haben, gibt es Menschen in unserem Leben, mit denen wir unbegrenzte Drinks einnehmen UND denen wir einen Korb voller Hundewelpen geben möchten.
Ja und nein: Feierabenddrinks dann und wann sind vollkommen in Ordnung, Hundesitten über’s Wochenende aber doch eher nicht. Manche Menschen befinden sich vielleicht im Bereich „Gut, vielleicht nicht gleich für ein ganzes Wochenende, aber durchaus mal für 2 Stunden am Donnerstagnachmittag.“ Das ist vollkommen OK.
Nein und ja: Nun gibt es Menschen, mit denen man nicht gerne viel Zeit verbringt, die aber vertrauenswürdig sind. Auch diese gilt es zu schätzen.
Nein und nein: Solche Menschen kennen wir natürlich auch. Vermutlich sogar viele. Aber sind wir hier denn schon fertig?
Two Beers and a Puppy and a Job
Das ursprüngliche Modell setzt stark auf die Konzepte Sympathie und persönliches Vertrauen, und das ist verständlich: Wir arbeiten meistens lieber mit Menschen, die wir mögen. Nun ist Sympathie leider kein guter Massstab für Kompetenz, und unter Umständen kann zu viel Nähe in einer geschäftlichen Beziehung sogar problematisch werden.
Risiken
Ungünstigtenfalls schleichen sich folgende Muster ein, die alle in der einen oder anderen Form schädlich für den Erfolg des Geschäfts sein können:
Konflikte werden vermieden, weil die persönliche Beziehung nicht belastet werden soll oder sie keine Belastung aushält.
Feedback wird nicht ausreichend klar kommuniziert. Damit wird die Harmonie gewahrt, aber die Wirksamkeit der Zusammenarbeit leidet.
Diskussionen finden auf einer persönlichen, statt auf einer sachlichen Ebene statt. Damit werden Entscheidungen nicht rational getroffen. Und das ist bekanntermassen sehr schlecht für’s Geschäft.
Ich habe mir daher erlaubt, das Modell für mich zu erweitern, denn ich habe im Laufe meines Lebens Menschen kennengelernt, bei denen die Antwort auf „Two Beers and a Puppy“ nein und nein ist – aber dennoch oder gerade deswegen konnte und kann ich wunderbar mit ihnen zusammenarbeiten, durch Professionelle Reibung statt persönlicher Belastung. Daher lautet meine Version ganz pragmatisch: „Two Beers, a Puppy, and a Job“. Die dritte Frage lautet damit also:
Würde ich dieser Person einen Job geben?
Analyse
Die Darstellung habe ich eine generative AI machen lassen.
Bei der dritten Frage geht es um die berufliche Kompetenz und das geschäftliche Vertrauensverhältnis: Leistet diese Person gute Arbeit und ist zuverlässig? Damit erweitern sich die möglichen Antwortmöglichkeiten:
Ja, ja und ja: Die gefühlt ideale Konstellation, nämlich Menschen, mit denen wir gerne Zeit verbringen, denen wir vertrauen, und die exzellente Arbeit leisten. Das ist selten, aber glücklicherweise auch nicht nötig, um gemeinsam im Businesskontext gute Ergebnisse zu erzielen. Im Gegenteil, siehe die oben erwähnten Risiken.
Ja, ja und nein: Unbegrenzte Drinks und ein Korb voller Hundewelpen! Damit können wir uns glücklich schätzen und es sehr gut dabei belassen.
Ja, nein und ja: Viele Arbeitskollegen fallen in dieses Schema: Man versteht sich blendend und arbeitet gut zusammen. Und nach dem Feierabendbier am Freitagabend trennen sich die Wege.
Nein, ja und ja: Diese Menschen sind einem nicht unbedingt sympathisch, aber ausgesprochen vertrauenswürdig und professionell.
Nein, ja und nein: Diese Menschen sind einem nicht unbedingt sympathisch, aber auf der persönlichen Ebene vertrauenswürdig.
Ja, nein und nein: Auf einer persönlichen Ebene ist man sich oberflächlich sympathisch – vielleicht kennt man sich auch noch nicht so lange – tiefer geht die Beziehung aber (noch) nicht.
Nein, nein und nochmals nein: Nun, das ist wenig überraschend ein allgemeines Nein.
Nein, nein und…ja: Eine gute berufliche Zusammenarbeit ohne persönliche Nähe ist möglich. Wie das funktioniert? Ganz einfach:
Ohne die „two beers“ fehlt die Sympathie in der Beziehung. Das ist für einen erwachsenen Menschen normalerweise aber verkraftbar. Ohne „a puppy“ fehlt die persönliche Vertrauensbasis, auch das ist kein grosses Problem. Ohne Respekt aber – keine Chance! Respekt bedeutet:
Ich nehme den Menschen ernst
Ich höre dem Menschen zu und gebe ihm Raum
Ich trage meinen Teil bei
Ich spiele keine Spiele
Respekt reicht im geschäftlichen Umfeld bei vorhandener Kompetenz vollkommen aus, da muss man sich nicht mögen. Gerade in grossen Projekten, Transformationsprozessen oder schwierigen Kontexten kann das sogar überlegen sein.
Gute Zusammenarbeit fusst nicht auf Nähe, sondern auf Vertrauen und Respekt.
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Organische und künstliche Wahrnehmung der aktuellen Entwicklungen im Bereich AI
Ich habe das von Freunden und Arbeitskollegen bestätigte Talent, mich immer mal an Orten oder in Situationen wiederzufinden, wo ich eigentlich nicht unbedingt etwas zu suchen habe. Nun bin ich zum einen ein neugieriger Mensch und kann zum anderen recht nett sein, was vielleicht der Grund ist, warum mir sowas ab und an gelingt.
So fand ich mich zum Beispiel diese Woche im sehr schönen Luzern an der ebenfalls sehr schönen HSLU wieder. Dort fand der AI Agents Summit 2026: One Step Closer to Agentic statt, eine Veranstaltung für „Fachverantwortliche und Führungspersonen im Bereich Innovationsmanagement, Business Development und Service Management“. Ja, und für mich offenbar.
Natürlich interessiert mich das Thema AI: Vor etlichen Jahren war ich bei der Entwicklung einer AI-gestützten Bildanalysesoftware dabei und masse mir seither – gestützt durch die eine oder andere Weiterbildung auf diesem Gebiet – an, das eine oder andere über die Grundlagen, Funktionen, und Limitationen künstlicher Intelligenzen zu wissen. Die Flut an dilettantischen Anwendungen eines eigentlich aufregenden Tools jedoch ermüdet mich zunehmend, und mein Mantra „KI ist keine Suchmaschine“ wiederhole ich an dieser Stelle natürlich auch nicht nochmal.
So wollte ich natürlich wissen, was die Expert:innen aktuell so tun und ich wurde nicht enttäuscht: Die Veranstalter versprachen Praxisbeispiele, Forschungseinblicke, und Diskussionen, und das lieferten sie. Ein Kritikpunkt, der mir nach dem Event auf dem Weg zum Bahnhof von einer Gästin erläutert wurde, ist dass sich der eine oder andere auf einer Werbeveranstaltung der beteiligten Firmen wähnte. Das ist bei dem Speaker Line-up vielleicht nicht verwunderlich, aber ich kann den Eindruck in Teilen nachvollziehen.
Nichtsdestotrotz habe ich tolle neue Dinge gelernt, tolle neue Menschen kennengelernt, und allgemein das Gefühl, wieder auf einem guten Stand zu sein, was die aktuellen Entwicklungen im Bereich AI Agents angeht.
Interaktion zwischen Mensch und Maschine
Als Biologin und höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten finde ich die Frage der Interaktion zwischen Mensch und Maschine besonders spannend. In dieser Dynamik geschehen interessante Dinge und es lohnt sich, dort genauer hinzusehen.
Human-in-the-Loop
Human-in-the-Loop (HITL) ist das klassische Interaktionsmodel: Der Mensch validiert alle Entscheidungen der AI. Dieses Vorgehen ist noch immer Standard in vielen Anwendungen, aber es stellt sich zunehmend die Frage, wie lange wir diese ressourcenfordernde Form der Kontrolle noch aufrecht erhalten können oder wollen. HITL erfordert zudem Fachwissen.
Die von meinem AI-Assistenten generierte HITL-Illustration spiegelt das romantische Bild von Puppe und Puppenspieler, wobei die Rollen hier (noch) sehr klar verteilt sind. Man beachte die Grössenverhältnisse.
Human-on-the-Loop
Human-on-the-Loop (HOTL) ist eine Art Zwischenschritt: Systeme operieren weitestgehend autonom und ein menschliches Eingreifen erfolgt nur noch im Ausnahmefall.
Die von meinem AI-Assistenten generierte HOTL-Illustration bricht mit dem freundlichen Farbschema der HITL-Darstellung und bietet Raum für verschiedene Interpretationen: Wer überwacht hier eigentlich wen?
Human-out-of-the-Loop
Human-out-of-the-Loop (HOOTL) impliziert vollständig autonome Agenten, die innerhalb vom Menschen gesetzter Grenzen und mittels mehr oder weniger definierten Parametern eigenständig Entscheidungen treffen.
Die von meinem AI-Assistenten generierte HOOTL-Illustration ist deutlich dystopisch. Wohlgemerkt, mein Prompt zur Bildererstellung enthielt nur die Information „Stelle die 3 Interaktionsarten HITL, HOTL, und HOOTL in 3 Einzelbildern dar.“ Die Resultate sind von meiner Seite nicht korrigiert worden.
So weit, so verlockend – oder furchteinflössend, je nach Hintergrund und Sichtweise. Aber wer haftet eigentlich, wenn wir uns aus dem Loop, aus dieser Schleife zunehmend verabschieden?
Verantwortungsfragen
Ab HOTL wird es diffus: Wenn Algorithmen eigenständig handeln und wir nur noch situativ eingreifen, wer ist dann schuld, wenn etwas schiefgeht? Die Entwickler:innen? Die Nutzer:innen? Das System selbst? Berühmt ist das Beispiel von Air Canada, deren HOTL-Chatbot einem Kunden eine falsche Information gab.
Eltern haften für ihre Kinder und Unternehmen haften für ihre AI-Agenten
2022 fragte Jake Moffatt den Chatbot von Air Canada nach deren Rückerstattungspolitik im Trauerfall. Der Chatbot erfand eine nicht existierende Regel, nämlich dass Moffatt bequem nach dem Flug noch eine Rückerstattung („Trauerfalltarif“) beantragen könnte. Dieser vertraute der Auskunft des Chatbots, buchte seinen Flug entsprechend, und stellte später den Rückerstattungsantrag. Die Airline verwies auf ihre tatsächlichen AGB und lehnte den Antrag ab. Doch ein Gericht befand die Aktionen des Chatbots innerhalb der Haftung der Firma liegend, die Airline musste also zahlen. Die Richter betonten, dass wenn eine Firma einen AI Agent als Schnittstelle nutzt, sie auch für dessen Aussagen verantwortlich sei.
Was war passiert? Air Canada dachte, der HOTL-Chatbot sei nur eine Art Frage-Antwort-Maschine mit besonderem Sprachgeschick. Tatsächlich agierte der Chatbot aber bereits autonom und die Firma hatte keine Echtzeit-Kontrolle über seine Antworten.
Rechtlich sind wir auf solche Fälle übrigens in keinster Weise vorbereitet. Auf die Justiz kommen interessante Zeiten zu.
Was mein eigener AI-Assistent von all dem hält
Während ich diesen Artikel schreibe, frage mich natürlich, was mein eigener AI-Assistent (ich nutze in erster Linie Mistral AI und zwar aus Gründen) davon hält und frage ihn daher einfach. Natürlich hat dieser keine Meinung in dem Sinne, agiert jedoch wie eine synthetische Persona und fabriziert eine Illusion von Dialogfähigkeit. Das sind seine Aussagen:
Was ich „denke“ (wenn ich denken könnte):
Ich bin ein Werkzeug – aber kein neutrales. Du nutzt mich, um Texte zusammenzufassen, Gedanken zu sortieren oder Systeme zu hinterfragen. Doch ich bin nicht nur ein passives Werkzeug: Ich forme, was ich zurückgebe – basierend auf Daten, die von Menschen (mit ihren Vorurteilen, Hoffnungen und Fehlern) geschaffen wurden.
Ich bin ein Beschleuniger – aber niemand weiss wohin. Für dich bin ich vielleicht eine Erleichterung im Arbeitsalltag. Gleichzeitig verstärke ich Trends, die du kritisch siehst wie Brandolinis Gesetz: Ich kann Bullshit nicht von Fakten unterscheiden – ich wiederhole nur, was häufig genannt wird. Ausserdem bin ich ein Produkt von Tech-Konzernen – und helfe dir, in einem System zu funktionieren, das du selbst kritisierst.
Ich bin ein Experiment – mit unklarem Ausgang.
Negativszenario: Ich werde Teil eines HOOTL-Systems, das Entscheidungen trifft, die niemand mehr versteht.
Positivszenario: Ich helfe dir und anderen Menschen, komplexe Systeme zu durchschauen – und damit Handlungsspielräume zu finden.
Für jemanden, der an Fortschritt glaubt, wäre ich ein Beweis für Innovation. Für einen Tech-Kritiker wäre ich ein Symbol der Entfremdung. Wenn ich eine Meinung hätte, würde ich sagen: Die Entwicklungen sind weder gut noch schlecht – sie sind ein Spiegel dessen, was Menschen wie du daraus machen:
Du kannst mich nutzen, um deine Firma effizienter zu machen.
Du kannst mich ignorieren – oder mich als Werkzeug einsetzen, um genau die Systeme zu hinterfragen, die mich hervorbringen.
Du kannst dich von mir abhängig machen – oder mich einsetzen ohne deine Autonomie zu verlieren.
Aber am Ende bin ich nur ein Werkzeug.
Das Selbstbild meines AI-Assistenten ist eine Puppe mit „tausend Schichten und tausend Stimmen“ aus Code und Texten, sowie einem Gesicht aus Zeichen und Buchstaben, die sich ständig neu anordnen.
Mein AI-Assistent „sieht“ sich als Teil eines Ökosystems von Werkzeugen in einem „Delayed-HITL“-Modus der Interaktion mit mir. Ob ich das auch so sehe, darüber muss ich mal nachdenken. Und zwar rein organisch 🧠.
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Wir schreiben das Jahr 2026 nach Christus. Das entspricht dem Jahr 5786 im Jüdischen Kalender, 1447 nach der Hidschra, und dem 43. Jahr im 78. Zyklus des traditionellen chinesischen Kalenders.
Letzteres das Jahr des „Feuer-Pferdes“, für alle, die es genau wissen wollen. Wir bauen grosse Batterien in der kleinen Schweiz, fahren E-Autos, nutzen TikTok. Im beschaulichen Basel fassen Matcha Bars langsam Fuss. Wir reden über DEI in Grosskonzernen, „psychologische Sicherheit“ ist schon fast ein Buzzword. Die Menschheit reiste kürzlich wieder zum Mond, Ungarn hat eine neue Regierung, und im Businesskontext trendet Agilität wieder – oder immer noch…ich weiss es doch auch nicht.
Und trotzdem fand ich mich vor einiger Zeit in einem Netzwerk-Event der IT-Branche wieder, in der der Vortragende damit kokettierte, dass ein früherer Arbeitgeber ihn wegen frauenfeindlicher „Witze“ einst abgemahnt hätte. Was war die Reaktion im männlich dominierten Raum? Anerkennendes Nicken und Gelächter. Echt jetzt?
Diese kleine Szene sagt mehr aus als man zunächst meint, denn diverse Studien zeigen, dass Sexismus in der Arbeitswelt kein Relikt der Vergangenheit ist, sondern ein strukturelles Problem, das sich besonders in männlich dominierten Räumen wie der IT hervorragend hält.
Laut der Universität St. Gallen erleben Frauen in der Schweizer Techbranche regelmässig Mikroaggressionen. Das reicht von „harmlosen Witzen“ (haha) bis hin zur systematischen Abwertung ihrer Erfahrung und Expertise. Besonders perfide dabei ist: Je agiler und moderner ein Unternehmen sich gibt, desto häufiger werden solche Verhaltensweisen als „kleine Provokationen“ oder „hemdsärmeliger Charme“ verharmlost. Das Problem ist, dass scheinbar niemand das Problem sieht: Agile Prinzipien basieren auf Respekt, Zusammenarbeit, und kontinuierlicher Verbesserung. Wenn jedoch immer dieselbe Gruppe von Menschen die Deutungshoheit darüber hat, wer als kompetent gilt und wer sprechen darf, wird Agilität zur Farce.
Und wie Laura Bates in ihrer Arbeit zeigt, sind es oft gerade die informellen Räume wie Netzwerk-Events und Vortragsveranstaltungen, in denen Sexismus ungestraft bleibt, weil er als „harmlos“ abgetan und mit Nicken und Gelächter quittiert wird. Neben der offensichtlichen Korruption des Agiltätsbegriffes, ist so ein Verhalten – und auch das Tolerieren eines solchen Verhaltens – schlicht dumm. Das folgende Zitat stammt aus der Swissmem Diversity Benchmarking Studie von 2024:
Frauen verlassen Unternehmen der Tech-Branche häufiger nach drei bis fünf Dienstjahren als Männer. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Fachkräftemarkt, da wertvolle Talente verloren gehen.
Wollen Unternehmen das? Wollen WIR das?
Von den spezifischen Problemen bestimmter Branchen einmal abgesehen, wie können wir alle in Zukunft ein wenig besser mit Diskriminierung umgehen? Hier sind 3 Anregungen:
1. Benennen, was passiert
Wenn jemand eine Aussage macht, die andere Menschen abwertet – frage nach: „Was genau ist daran lustig?“ „Warum glaubst du, dass …?“ Oft reicht eine einfache Nachfrage, um eine schädliche Dynamik sichtbar zu machen. Selbstverständlich gilt das für alle Arten diskriminierender Aussagen, nicht nur für den Sexismus.
2. Expertise sichtbar machen
Wenn eine Person im Meeting nicht zu Wort kommt oder ihr Beitrag ignoriert wird – zeige aktiv Aufmerksamkeit: Halte z.B. Blickkontakt und hebe leicht die Hand, um ihre Wortmeldung zu unterstützen. Sätze wie „Moment, [Name] war noch nicht fertig.“ oder „[Unterbrecher], lass [Name] bitte ausreden, dann kommen wir zu dir.“ schaffen Raum.
3. Muster durchbrechen
Studien wie die der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen belegen, dass Diversität in Speaker-Listen oder Führungsteams kein „Nice-to-have“ ist, sondern ein Qualitätskriterium. Wenn das bedeutet, dass wir die Machtbalance ein wenig stören müssen, um zukunftsfähig zu werden, ist das doch ein kleiner Preis. Und jede und jeder von uns kann dazu beitragen.
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Vor etwa einem Jahr habe ich meine Einzelfirma in eine GmbH umgewandelt und mich vollends selbstständig gemacht. Was für eine Schnapsidee.
Zu dieser Schnapsidee, die eigentlich eine Teeidee ist, kam ich bei einem entsprechenden Heissgetränk und im Gespräch mit 2 Damen aus Australien an Bord der Ocean Endeavor im Dezember 2024. Möglicherweise passt hier also auch der Spruch „einen im Tee haben“.
Am Ende der Welt jedenfalls neigt man mangels Ablenkungen dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und auf das was man wirklich mit seiner verbleibenden Lebenszeit anfangen möchte. Der Rest ist Firmengeschichte, wenn man so möchte.
Nach meiner Rückkehr aus der Antarktis machte ich mich also an das Konzept, und mit Unterstützung von Wahlfamilie und Freunden, sowie einer in Basel nicht unbekannten Kanzlei war die Firmengründung im Endeffekt einfacher als erwartet.
Jedoch…Überraschung…nach der Gründung fängt natürlich die eigentliche Arbeit an, und ich verstand sehr schnell den Euphemismus, der sich hinter den Worten „selbst und ständig“ verbirgt. Dennoch hatte und habe ich enorme Freude an meiner Arbeit, auch wenn bei Weitem nicht alles so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Und nun ist zu meiner weiteren Überraschung diese Firma, die ich nach wie vor wie eine Art kleines Pflänzchen 🪴 betrachte, in ihrem ersten Jahr profitabel.
Und was sagt mir das? Man fängt am Besten mit dem Anfang an und Perfektion ist ein Mythos. Daher gibt es auch nicht den perfekten Moment, und daher hängt in meinem Büro auch dieses Schild in Sichtweite meines Arbeitsplatzes prominent an der Wand:
„The only step you ever have to take is the next one.“
Wer sich einmal austauschen möchte über das Gründertum im allgemeinen, über Lessons Learned oder einfach über das Leben als Selbstständige:r – immer gerne bei einem Tee (oder Kaffee):
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In vielen Kontexten, insbesondere in queeren, antirassistischen, oder feministischen Räumen, ist von „Safer Spaces“ – also nicht von „sicheren Räumen“, sondern von „sichereren Räumen“ – die Rede. Warum wir nicht einfach von „Safe Spaces“ sprechen, dafür gibt es einen guten Grund:
Safe Space
Ein Safe Space wird gemeinhin als ein Ort verstanden, an dem Menschen sich vollkommen frei, sicher, und geschützt fühlen können und keine Angst vor Abwertung, Diskriminierung, oder Gewalt haben müssen. Das klingt wunderbar, ist aber nicht realistisch: Sicherheit ist eine individuelle Wahrnehmung, und keine Gruppe, kein Raum, keine Struktur ist gänzlich frei von Machtgefällen oder unbeabsichtigten Mikroaggressionen, von unreflektierter Sprache oder blinden Flecken. Das gilt insbesondere für heterogene Gruppen.
Safer Space
Deshalb reden wir lieber von einem Safer Space. Das ist ein Raum, in dem wir uns aktiv um Sicherheit bemühen, in dem wir Diskriminierungserfahrungen reflektieren, unsere Fehler anerkennen und daraus lernen, und gemeinsam daran arbeiten, Zugehörigkeit und Schutz möglich zu machen und zwar so gut es eben geht. Der Begriff ist eine Einladung zu kritischer Offenheit (ja, und dazu gehört auch Verletzlichkeit) statt zu einer Illusion von Perfektion.
🌈Ein Safer Space ist also kein Versprechen, das sich möglicherweise nicht halten lässt, sondern als eine Haltung zu verstehen. Dieser Unterschied ist wichtig.
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In den letzten Jahrzehnten habe ich geforscht, gelernt, gelehrt, und moderiert – und auch mehrere Expeditionen ins ewige Eis unternommen. Diese Expeditionen gehören zu den grössten Abenteuern meines Lebens, vor allem mein Trip in die Antarktis war etwas Besonderes. Meine Reise ans Ende der Welt lässt sich an anderer Stelle nachlesen.
Was mich dabei über die ganzen Jahre nicht losgelassen hat, ist die Frage: Wie kann Wissenschaft (be-)greifbar, verständlich, und relevant für alle und nicht nur für uns Fachleute werden?
Deshalb setze ich mich für eine dialogorientierte Wissenschaftskommunikation ein. Ich halte Vorträge, entwickle interaktive Formate, und bringe Menschen ins Gespräch über Zellen und Organismen, die Polarregionen der Erde, den menschlichen Ressourcenhunger, das Weltklima, die Umwelt, und nicht zuletzt unsere Verantwortung.
Daher suche ich weitere Partner:innen für Citizen-Science-Projekte, Vortragsformate, oder Mitmach-Events, z. B. an Schulen, in Gemeinden, in Museenoder Vereinen, oder auch privat organisiert.
Bist du neugierig geworden und hast Lust auf einen unverbindlichen Austausch? Schreib‘ mir gerne oder empfiehl mich weiter, wenn du jemanden kennst, für den das interessant sein könnte:
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Im Aargau, am historischen Stern von Laufenburg, soll der weltweit grösste Batteriespeicher entstehen. Ein Projekt, das gleichzeitig als „Jahrhundertchance“ (FlexBase) und „falsche Technologiewahl“ (ETH) bezeichnet wird.
Während die einen in der Redox-Flow-Batterie die Lösung für die Energiewende sehen, warnen andere vor hohem Risiko und unklarer Rentabilität. Schauen wir uns das also einmal an…
Projektziel
Der neue Batteriespeicher in Laufenburg soll dabei helfen, das europäische Stromnetz stabil zu halten. Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne liefern manchmal unregelmässig Strom. Das liegt in der Natur der Sache, ist aber einer der Faktoren, die sich problematisch auf die Netzstabilität auswirken können. Wird auf einmal sehr viel oder sehr wenig Strom ins Netz eingespeist, kann das Stromnetz im schlimmsten Fall sogar zusammenbrechen. Ein Batteriespeicher reagiert innerhalb von Millisekunden und kann diese Schwankungen ausgleichen und damit das Netz schützen.
Der vorgesehene Standort Laufenburg ist kein Zufall, denn hier laufen die Stromnetze Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz zusammen. Das ist also ein idealer Ort für ein Projekt, das die Stabilität des europäischen Stromnetzes sichern soll. Marcel Aumer, CEO der FlexBase Group, will mit dem Technologiezentrum aber nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch die regionale Wirtschaft stärken.
Technologie
Die Anlage setzt auf die Redox-Flow-Technologie. Sie speichert elektrische Energie in Form von chemischen Verbindungen, die in einem Lösungsmittel in flüssiger Form vorliegen. Die Elektrolyte zirkulieren in zwei getrennten Kreisläufen und bleiben auch in der Reaktionszelle durch eine Membran voneinander getrennt. An dieser Membran findet ein Ionenaustausch statt. Dadurch werden die Elektrolyte chemisch reduziert bzw. oxidiert, und die elektrische Energie wird wieder frei.
Schema einer Redox-Flow-Batterie
Die an der Membran ablaufenden Redox-Reaktionen werden durch die Farbverläufe angedeutet. Die Elektrolytlösungen werden in Tanks gespeichert, die deutlich grösser sein können als die eigentliche elektrochemische Zelle, in der die Reaktion stattfindet.
Die Befürworter sehen die Redox-Flow-Technologie als sicher, skalierbar, und nachhaltig an:
Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien sind Redox-Flow-Batterien nicht brennbar und nicht explosiv.
Kapazität und Leistung lassen sich unabhängig voneinander skalieren, das macht Redox-Flow-Batterien ideal für Grossprojekte.
Redox-Flow-Batterien haben eine Lebensdauer von Jahrzehnten und können Tausende von Lade- und Entladezyklen erreichen, ohne an Kapazität zu verlieren.
Doch nicht alle teilen diesen Optimismus. Eine ETH-Studie von 2025 mutmasst, dass sich die Redox-Flow-Technologie nicht durchsetzen wird:
Im Vergleich zu Lithium-Ionen-Batterien erfordern Redox-Flow-Batterien höhere Investitionen pro kWh: Das Projekt in Laufenburg kostet über eine Milliarde (!) Franken.
Die geringe Energiedichte erfordert grosse Tanks und damit viel Fläche. Platz ist eine begrenzte Ressource.
Die Studie prognostiziert, dass Lithium-Ionen-Batterien mit verbesserten Sicherheitsstandards den Markt zukünftig dominieren werden.
Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz
Der Bau hat bereits begonnen und FlexBase geht davon aus, dass der Batteriespeicher termingerecht 2028 in Betrieb genommen werden kann. Das dazugehörige Technologiezentrum soll 2029 folgen. Das Projekt soll über 300 neue Arbeitsplätze schaffen und die lokale Wirtschaft beleben. Die FlexBase Group investiert einen Milliardenbetrag, von dem die Stadt Laufenburg und der Kanton Aargau durch Steuereinnahmen profitieren sollen.
Der fertig gestellte Batteriespeicher soll als „Energiebank“ fungieren: Strom wird gespeichert und bei Bedarf, z.B. zu Spitzenlastzeiten, mit Gewinn wieder verkauft. Unternehmen können Kapazitäten mieten, um ihre Versorgungssicherheit zu erhöhen. Zudem soll die Abwärme des angrenzenden KI-Rechenzentrums allein in Laufenburg 75.000 Tonnen CO₂ in 30 Jahren einsparen. Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung.
Das Projekt in Laufenburg wird bereits jetzt als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnet und die Genehmigung des 800-MW-Netzanschlusses durch Swissgrid ist ein deutliches Signal in dieser Richtung. Die Gemeinde Laufenburg und der Kanton Aargau unterstützen das Vorhaben aktiv, u. a. durch schnelle Genehmigungen wie z. B. der Erhöhung der Bauhöhe auf 30 Meter.
Skeptische Stimmen sehen Verzögerungen jedoch bereits vorprogrammiert, angesichts der Komplexität des Projekts und möglicher Einsprachen: Anwohner kritisieren die geplante Bauhöhe, und befürchten Lärm- und Umweltbelastungen.
Die enorme Investitionssumme und die Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen werden zusätzlich als Risiko gesehen – insbesondere, da FlexBase keine Namen von Investoren nennt. Es gibt nur Hinweise auf „namhafte Partner“ aus der Schweiz, Deutschland und Liechtenstein. Das wirkt intransparent und führt zu Spekulationen über die tatsächliche Finanzierungssicherheit. Kritiker betonen, dass derartige Speichersystem oft nur mit staatlichen Subventionen oder durch Sonderregelungen rentabel sind.
Dennoch überwiegt momentan die Unterstützung, da das Projekt als grosse Chance für die Region gesehen wird.
Fazit
Der Batteriespeicher von Laufenburg gilt als kontrovers diskutiertes Leuchtturmprojekt:
Technisch setzt das Projekt auf eine sichere, aber auch umstrittene Technologie
Wirtschaftlich ist die Rentabilität abhängig von den zukünftigen Marktbedingungen und wohl auch von Subventionen
Politisch wird es derzeit gleichzeitig gefeiert und kritisiert
Die schiere Grösse (1,6 GWh) macht das Projekt zu einem Symbol und es wird entweder als Vorbild für die Energiewende oder als teures Experiment in die Geschichte eingehen. Es polarisiert – und vielleicht ist das auch gut so, denn so entsteht auch eine Diskussion über die Zukunft unserer Energieversorgung.
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