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Safer Spaces

In vielen Kontexten, insbesondere in queeren, antirassistischen, oder feministischen Räumen, ist von „Safer Spaces“ – also nicht von „sicheren Räumen“, sondern von „sichereren Räumen“ – die Rede. Warum wir nicht einfach von „Safe Spaces“ sprechen, dafür gibt es einen guten Grund:

Safe Space

Ein Safe Space wird gemeinhin als ein Ort verstanden, an dem Menschen sich vollkommen frei, sicher, und geschützt fühlen können und keine Angst vor Abwertung, Diskriminierung, oder Gewalt haben müssen.
Das klingt wunderbar, ist aber nicht realistisch: Sicherheit ist eine individuelle Wahrnehmung, und keine Gruppe, kein Raum, keine Struktur ist gänzlich frei von Machtgefällen oder unbeabsichtigten Mikroaggressionen, von unreflektierter Sprache oder blinden Flecken. Das gilt insbesondere für heterogene Gruppen.

Safer Space

Deshalb reden wir lieber von einem Safer Space. Das ist ein Raum, in dem wir uns aktiv um Sicherheit bemühen, in dem wir Diskriminierungserfahrungen reflektieren, unsere Fehler anerkennen und daraus lernen, und gemeinsam daran arbeiten, Zugehörigkeit und Schutz möglich zu machen und zwar so gut es eben geht. Der Begriff ist eine Einladung zu kritischer Offenheit (ja, und dazu gehört auch Verletzlichkeit) statt zu einer Illusion von Perfektion.


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to do

Möglicherweise kommt dir das bekannt vor: Ein neuer Morgen, eine neue to do-Liste, gute Vorsätze, eindeutige Prioritäten. Dann kommt der Abend und das Gefühl, unbefriedigend wenig von dem geschafft zu haben, was uns eigentlich wichtig ist. Stattdessen haben wir uns zwischen Meetings, eMails, und Anfragen verloren, und fragen uns: Wo ist nur die Zeit geblieben?

Da ich mir heute genau dieselbe Frage stelle und meine to do-Liste wartet, gibt es nun statt eines langen Textes einen Podcast-Tipp für dich: In der aktuellen Folge des empfehlenswerten ZEIT-Podcasts „Geht da noch was?“ widmen sich die Moderatorinnen Lisa Hegemann und Rose Tremlett der Frage „Wie finde ich im Job die richtige Balance zwischen Aufgaben, auf die ich Lust habe, und jenen, die halt gemacht werden müssen?“

➡️ Hier kannst du dir den Podcast direkt anhören:

Wie ihr euren persönlichen Stil (wieder)findet Geht da noch was?

Shoppen klingt spaßig, aber wenn man durch die Läden latscht oder online durch Mode-Produkte scrollt, fällt einem ab einem bestimmten Alter schnell auf: Die ganzen Models sind frisch der Pubertät entsprungen. Mode für Menschen nach dem Uni-Alter ist hingegen häufig übertrieben praktisch oder nüchtern. Wie findet man seinen Weg aus dem Haufen von Beige, Grau und Schwarz? Und wie entwickelt man einen persönlichen Stil, der einem wirklich steht? Im ZEIT-Optimierungspodcast Geht da noch was? besprechen die Moderatorinnen Rose Tremlett und Lisa Hegemann die Herausforderungen, die einem begegnen, wenn man sich nicht mehr von den neuesten Modetrends angesprochen fühlt, aber gleichzeitig zeitgenössisch und cool aussehen möchte. Dafür hat Rose mit zwei Modeinfluencerinnen und -influencern gesprochen, die es geschafft haben, ihre Garderoben mit coolen, zeitlosen Outfits zu befüllen. Ben Bernschneider ist Content Creator, Autor und begeisterter Mode-Experte mit Schwerpunkt Classic Menswear – er erklärt, wie man bei Herrenmode die Kleidungsstücke findet, die in jedem Alter gut aussehen. Claudia Steinlein, Autorin des Blogs und dazugehörigen Instagram-Kanals Glam up your lifestyle, bringt eine frische Perspektive für Frauenmode herein und erklärt, wie man durch Experimentieren und Statement-Accessoires einzigartige Looks kreiert. Im ZEIT-Podcast Geht da noch was? suchen Rose Tremlett und Lisa Hegemann Tipps für ein leichteres und entspannteres Leben. Sie sprechen dafür mit Vorbildern sowie Expertinnen und wühlen sich durch Bücher wie Studien. Jeden zweiten Montag erscheint eine neue Folge. Weiterführende Links und Lektüre: – Der Mode-Blog von Claudia Steinlein: Glam up your lifestyle – Infos zum Buch von Ben Bernschneider: 100 Staple Pieces – die Wunschliste des modernen Gentleman [ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER. [ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten, testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot. 

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Brennbar oder nicht brennbar?

Bedeutung ist nicht lagerfähig

Nach dem Tod eines Menschen bleibt unter anderem eine Aufgabe: Die Auflösung des Haushalts. Dann werden Schränke geöffnet, Schubladen geleert, und viele Ordner durchgesehen. Irgendwann, nach Stunden oder Tagen des Sichtens und Sortierens, kristallisiert sich eine Frage heraus. Sie ist nicht besonders philosophisch, sondern ziemlich pragmatisch:

Brennbar oder nicht brennbar?

Diese Frage entscheidet über das Schicksal von Möbeln, Geschirr, Kleidung, Schmuck, Büchern, Papieren, Liebesbriefen und Reisesouvenirs. Sie entscheidet über Containergrössen, Abholtermine, die Anzahl der benötigten Sperrgutvignetten, und die ungefähren Entsorgungskosten. Diese Frage repräsentiert das letzte Ordnungssystem, das auf ein Leben angewendet wird.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht die Frage selbst, sondern die radikale Vereinfachung, die sie repräsentiert: Ein ganzes menschliches Dasein mit Beziehungen, Konflikten, Ambitionen, Erfolgen und Misserfolgen wird am Ende auf die Materialeigenschaften reduziert:
➡️ Holz, Papier, Textilien, usw.: ja
➡️ Metall, Glas, Elektronik, etc.: nein

Der ganze Besitz, der zu Lebzeiten Bedeutung trug, vielleicht einen Status ausdrückte oder Sicherheit versprach, verliert mit seinem Besitzer auch seinen Bezug. Was bleibt, sind die reinen Dinge und ihr Wert bemisst sich nicht mehr anhand dessen, was sie einmal bedeuteten, sondern an dem, was sie jetzt kosten – an Zeit, an Platz, und an Entsorgungsgebühren.

Dabei zeigt sich ein Missverhältnis: Manche Gegenstände wurden einst angeschafft, weil sie wichtig erschienen. Andere, weil sie etwas repräsentieren sollten. Wieder andere, weil man sie „vielleicht einmal brauchen könnte“. Am Ende jedoch brauchen diese Dinge eines, nämlich eine Einordnung: Brennbar oder nicht brennbar?

Oft sind es nicht so sehr die materiell wertvollen Dinge, die den Hinterbliebenen diese Entscheidung schwer machen, sondern es sind die Objekte mit unklarem Status: Dinge ohne materiellem Wert, aber mit einer Geschichte. Dinge, deren Bedeutung sich aus den Erinnerungen ergibt, die an ihnen haften. Diese Erinnerungen sind nicht immer übertragbar: Vielleicht behält jemand ein Erinnerungsstück von einen geliebten Menschen, doch damit hat sich die Bedeutung dieses Gegenstandes bereits gewandelt. Das Reisesouvenir von der Hochzeitsreise zum Gardasee zum Beispiel: Für die Mutter war es ein Symbol der Verbundenheit mit ihrem Mann. Für die Tochter wird es zum Erinnerungsstück an die Mutter. Die Bedeutung hat sich also gewandelt, nicht aber das Objekt.
Hier liegt also die Erkenntnis:

Bedeutung ist nicht lagerfähig.

Die Fülle an Erfahrungen eines menschlichen Lebens, die Werte, Haltungen, eine bestimme Art zu sprechen, zu handeln, zu agieren und zu reagieren, das alles entzieht sich der Frage nach der Brennbarkeit im Entsorgungsunternehmen. Diese Konzepte verschwinden nicht in Sammelcontainern, sondern existieren – wenn wir grosses Glück haben – in anderen Menschen weiter.

Vielleicht ist das der Kern dieser haushaltsphilosophischen Betrachtung: Materieller Besitz überdauert uns selten in einer sinnstiftenden Art und Weise, und Bedeutung haftet tendenziell schlecht an Gegenständen. Dafür umso besser im Gedächtnis der Menschen, die uns einst liebten.

Vielleicht lohnt es sich daher, die Anwendung des letzten Ordnungssystems nicht so lange aufzuschieben, bis es jemand anderes für uns tun muss. Vielleicht liegt in der Anerkennung dieser Radikalität auch eine Befreiung und die Chance, sich heute schon bewusst zu fragen, was wir loslassen können und was wir weitergeben möchten. Und natürlich nicht zuletzt die Frage:
Wie wollen wir bis dahin leben?


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Das Ausruhezeichen

Das Jahr 2026 ist nun einen Monat alt und fühlt sich bereits schwer an. Alles verlangt aktuell nach einer Reaktion, nach einem Statement, nach einer Haltung. Und ganz trivial müssen eben auch die Rechnungen raus, ein Angebot geschrieben werden, und bei X wollte man sich auch noch dringend melden. Die Wäsche will gemacht werden und der Wasserhahn in der Kaffeeküche tropft auch schon wieder. Und das alles vor dem Hintergrund der Dauerkrisen.

Das Ausruhezeichen setzt sich dem entgegen und möchte, dass wir einen Moment innehalten und stehen bleiben. Und uns vielleicht sogar kurz spüren – hier auf unserem Bürosessel, auf dem Sofa, auf unserem Sitzplatz im Tram.

Folgen wir doch einmal für ein paar Sekunden unserem eigenen Atemrhythmus, statt uns von der Welt den Takt vorgeben zu lassen.

So.

Wenn wir nämlich dauernd unter Spannung stehen, ist das 1. nicht gesund und 2. nicht nachhaltig: Wer nie innehält, verbraucht mehr Ressourcen – physische und psychische – als nachgebildet werden können.

Ausruhen bedeutet auch nicht aufgeben, im Gegenteil. Es bedeutet, verantwortungsvoll mit den eigenen Kräften umzugehen, bevor sie erschöpft sind.

Das Ausruhezeichen erinnert uns daran, dass wir uns ruhig einmal rausnehmen dürfen. Wir müssen nicht immer gleich reagieren.

Wir können uns die Zeit nehmen, einmal tief durchzuatmen.


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Die Rehabilitation der Unsicherheit

Die Komplexität der Gegenwart gibt uns keine einfachen Antworten.
Das können wir nutzen.

Ich wünsche dir einen guten Start ins neue Jahr – mit Aufmerksamkeit für dich selbst, Offenheit für das Ungewisse, und Raum für neue Fragen!


Zum Jahresbeginn scheinen einfache Antworten besonders gefragt. Ich selbst ertappe mich dabei: Unser Leben ist kompliziert genug, daher streben wir nach guten Vorsätzen und definierbaren Zielen. Wir schreiben Listen dessen, was wir dieses Jahr anders machen werden, was wir erreichen, und was wir hinter uns lassen möchten.

Der Wunsch dahinter ist verständlich, denn in unserer unübersichtlichen Welt versprechen Antworten Sicherheit. Sie geben uns das Gefühl, auf das, was da kommen mag, vorbereitet zu sein. Und während ich diese Sätze in die Tatstatur meines alten iMacs tippe, ist mir natürlich klar, dass das nicht funktioniert. Und dir, während du das hier liest – vermutlich auch.

Wir leben in einer komplexen Gegenwart und werden direkt oder indirekt beeinflusst durch geopolitische Spannungen, ökologische Krisen, und gesellschaftliche Umbrüche. Daher lassen sich viele der Fragen, mit denen wir heute konfrontiert sind, nicht mehr einfach und eindeutig lösen. Die Dinge sind vielschichtiger und widersprüchlicher, miteinander verknüpft und voreinander abhängig. Jede Antwort scheint weitere Fragen zu erzeugen.

Das ist nicht angenehm.
Aber was, wenn wir beginnen, uns einfach darauf einzulassen?

Antworten geben Struktur und helfen uns handlungsfähig zu bleiben. Jedoch haben sie eine Kehrseite: Sie schliessen Möglichkeiten aus, sie schliessen Türen. Antworten beruhigen uns, manchmal zu unrecht. Das Vorgehen bestimmter gesellschaftlicher Strömungen und politischer Parteien z.B. beruht, wie wir wissen, auf (zu) einfachen Antworten auf komplexe Probleme.

Fragen hingegen halten Möglichkeiten offen: Sie erlauben es, Unsicherheit als Teil des Lebens wahrzunehmen und zuzulassen. Fragen lassen uns genauer hinsehen. Komplexe Zeiten verlangen vielleicht nicht nach mehr Gewissheit – die ist ohnehin trügerisch – sondern nach mehr Raum für Möglichkeiten.

In einer Welt, die sich ständig verändert, kann das eine hilfreiche Haltung sein. Wie wäre es, wenn wir das neue Jahr nicht mit Vorsätzen beginnen, sondern mit Fragen?

Gute Vorsätze folgen ja einem vertrauten Muster: Ich „weiss“, was richtig ist und setze es – endlich!! – um. Dieses Wissen ist aber nicht immer so sicher, wie es scheint. Manchmal beruht es auf alten Annahmen, überholten Selbstbildern, oder gesellschaftlichen Erwartungen.

Fragen wiederum lassen Raum lassen für Ambivalenz und Veränderung. Gute Fragen für das sich noch neu und gerade frisch ausgepackt anfühlende Jahr sind z.B.:

  • Was möchte ich?
  • Warum?
  • Welche Themen in meinem Leben benötigen mehr Aufmerksamkeit?
  • Welche Antworten trage ich mit mir, weil sie mir Sicherheit geben?
  • Wo könnte ich mehr Unsicherheit aushalten?

Unsicherheit hat einen schlechten Ruf. Das finde ich furchtbar, denn Unsicherheit ist meines Erachtens ein Ausdruck von Verantwortung. Wer die Welt ernst nimmt, kann – darf – sich nicht immer 100% sicher sein. Wer nationale und globale Zusammenhänge bedenkt, weiss, dass einfache Lösungen selten ausreichen. Unsicherheit ist Verantwortungsbewusstsein und bedeutet, sich der Tragweite von Entscheidungen bewusst zu sein.

Vielleicht ist das eine angemessenere Haltung für unsere Zeit als der Ruf nach einfachen Antworten. Fragen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Aufmerksamkeit für uns selbst, für andere, und für die komplexe Welt, in der wir leben. Unsicherheit gehört zu uns und zu unserem Leben dazu. Also können wir ihr auch die Tür öffnen und sie hereinlassen.

Das neue Jahr muss also nicht mit dieser viel bemühten Klarheit beginnen, es darf auch einfach mit Offenheit starten. Mit Fragen, die nicht sofort beantwortet werden müssen, und vor allem mit der Bereitschaft, uns gegenseitig zuzuhören, dazuzulernen, und unsere eigenen Gewissheiten immer wieder…in Frage zu stellen.

Vielleicht ist das ein tauglicher Vorsatz für das noch junge Jahr: Weniger nach Antworten suchen, sondern nach besseren Fragen.


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Denkanstoss Hintergrund

„Do you Yahoo?“

Ja, ich benutze immer noch meine Yahoo-Adresse.
Und ja, sie funktioniert ausgezeichnet.

Wirklich, Yahoo. Um Himmels Willen.

Ich bin Generation X. Ende der 90er Jahre studierte ich an der Universität Freiburg. Das „World Wide Web“ war zu diesem Zeitpunkt eine eher kleine Welt, wir nutzten Netscape und Altavista, Webseiten bauten sich Zeile für Zeile auf, und wenn Jemand im Haus telefonieren wollte, flog man aus dem Internet.

Das Einwahlgeräusch des 56K-Modems wurde zum Soundtrack einer Generation:

eMails waren Abenteuer. Kommunikation wurde plötzlich digital und global: Zum ersten Mal konnte man jemandem auf einem anderen Kontinent schreiben, und die Nachricht kam (meistens) innerhalb weniger Minuten an. Das war eigentlich unfassbar!
Vorher schrieb man Briefe (manchmal inklusive frankiertem Rückumschlag), sendete Postkarten, schickte Faxe, oder telefonierte teuer über Festnetz. Im Vergleich dazu war eMail fast wie Zauberei.

Niemand von uns hatte damit Erfahrung. Alles war Neuland und wir entdeckten es Schritt für Schritt. Wir spürten, dass sich unsere Art zu kommunizieren gerade für immer veränderte. Wir waren Teil von etwas Neuem und sahen, wie hinter der uns bekannten Welt eine weitere, virtuelle Welt entstand.

Gleichzeitig waren eMails technisch heikel und die Server kapriziös: Manchmal kam ein Mail erst nach mehreren Tagen an, oder doppelt, oder auch gar nicht. Anhänge waren etwas für die ganz Mutigen.

Foto: Sandra Meyndt / Universität Freiburg

Mein damaliger Freund riet mir, keinesfalls einen Punkt zwischen Vor- und Nachnamen in der eMailadresse zu setzen. Sonderzeichen, Leerzeichen, Punkte, etc. verwirrten die Server. Das machte man lieber nicht.

Ich hab auf ihn gehört und meine eMailadresse aus Studentenzeiten mit dem typischen Unterstrich verwende ich bis heute. Meine Yahoo-Adresse ist Teil meiner Geschichte und ein Stück Zeitgeschichte noch dazu: Eine Erinnerung an den Anfang der Digitalisierung.

Nicht alles, was alt ist, muss man ersetzen. Manche Dinge darf man behalten. Auch weil sie erzählen, woher man kommt.


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Denkanstoss Humanismus

Güterabwägung

Wie wir zwischen Werten navigieren und einer zentralen Frage auf die Spur kommen

Neulich sass ich mit einem Freund, ebenfalls Naturwissenschaftler, wochenends beim Kaffee. Wir sprachen über Tierversuche, ein Thema, das uns beide aus beruflichen Gründen seit etlichen Jahren begleitet. Wie viel Leid darf man Tieren zumuten, wenn dadurch vielleicht Therapien für schwerkranke Menschen möglich werden? Macht es dabei einen Unterschied, ob diese Menschen bereits im Kindesalter oder erst am Ende ihres Lebens schwer erkranken? Und wenn ja, warum?

Nach einiger Zeit realisierten wir, dass wir eigentlich über die aktuelle Weltlage und den anthropogenen Klimawandel sprachen. Denn auch hier geht es um dasselbe Problem – eine Güterabwägung.

Was bedeutet Güterabwägung?

Eine Güterabwägung liegt immer dann vor, wenn verschiedene Werte, Rechte, oder Interessen miteinander kollidieren und wir nicht allen gleichzeitig im gleichen Ausmass gerecht werden können. In diesem Fall müssen wir eine Art von Balance finden.

Im Alltag entscheiden wir uns ständig: Arbeite ich heute z.B. 2 Stunden länger oder verbringe ich den Abend mit meiner Familie? Auf gesellschaftlicher Ebene sind diese Konflikte grösser und deren Folgen weitreichender.

Thema Tierversuche

In der biomedizinischen Forschung lautet die Frage oft, ob man einer definierten Anzahl von Tieren Leiden zufügen darf, um dadurch Erkenntnisse zu gewinnen, die wiederum viele Menschenleben retten könnten.

Befürworter:innen argumentieren utilitaristisch, dass das Leid weniger Tiere dem potenziellen Nutzen für viele Menschen gegenüber steht. Gegner:innen nehmen eine deontologische Perspektive ein und sagen, Tiere dürfen nicht als Mittel zum Zweck benutzt werden.

Praktisch sucht man Kompromisse und wendet heute etwa das 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine) an. Dennoch bleibt dieser Konflikt vorerst bestehen, und jede Entscheidung innerhalb dieser Thematik spiegelt unsere Wertvorstellungen wieder.

Thema Klimakrise

Beim Klimawandel zeigt sich die Güterabwägung in anderer Form: Hier und heute liegt der Fokus auf dem Wirtschaftswachstum, auf günstiger Energie, Mobilität, und dem Wunsch nach Konsum. Dem gegenüber stehen die Rechte zukünftiger Generationen auf eine bewohnbare Erde, der Schutz der Biodiversität, und globale Gerechtigkeit.

Auch hier sind die entsprechenden Güter nicht direkt miteinander vergleichbar. Und während ein Versuchstier im Labor sichtbar oder unsichtbar in unterschiedlichem Masse leidet, sind die negativen Folgen der Klimakrise räumlich und zeitlich verschoben und gelangen generell langsamer in unser Bewusstsein.

A aerial view captured one day after a massive avalanche, triggered by the collapse of the Birch Glacier, shows the destruction it caused as it swept down to the valley floor and demolishing the village of Blatten, Switzerland, Thursday, May 29, 2025. A large part of the village of Blatten, located in the Loetschental Valley in the canton of Valais, was buried under masses of ice, mud, and rock. Numerous houses were destroyed, and one person is missing. Between May 19 and 28, several million cubic meters of rock fell from the Kleines Nesthorn mountain above Blatten. This created a nine-million-tonne debris cone on the Birch Glacier, which ultimately collapsed on May 28, 2025. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Dennoch ähneln sich beide Fragestellungen, denn wir nehmen Schaden an einem Ort oder zu einer Zeit in Kauf, um an anderer Stelle einen Nutzen zu erzielen.

Philosophische Perspektiven

Verschiedene philosophische Schulen bieten verschiedene Zugänge, mit diesen Konflikten umzugehen. Hier einige sehr vereinfacht dargestellte Konzepte zur Einordnung:

  • Utilitarismus
    Handlungen sind dann moralisch richtig, wenn sie den grösstmöglichen Nutzen für die grösstmögliche Zahl an Betroffenen erzeugen. Kosten und Nutzen werden also direkt gegeneinander abgewogen.
  • Deontologie
    Bestimmte Handlungen sind unabhängig von ihren Folgen geboten oder verboten. Das bedeutet, moralische Pflichten und Rechte haben Vorrang vor allen Nutzenabwägungen.
  • Tugendethik
    Im Zentrum steht nicht allein die Handlung, sondern die Haltung der Handelnden. Tugenden wie Besonnenheit, Mässigung, Achtsamkeit, oder Verantwortung sollen das Handeln leiten.
  • Diskursethik
    Moralische Normen erlangen nur dann Gültigkeit, wenn sie in einem fairen Diskurs aller Betroffener zustimmungsfähig sind. Diejenigen, die selbst keine Stimme haben – wie die zukünftigen Generationen, Tiere, Menschen in besonders betroffenen Gebieten – benötigen nach diesem Konzept Stellvertreter:innen.

Natürlich liefert keine dieser Perspektiven eine einfache Lösung. Das ist unbefriedigend, aber das zeigt uns auch, dass Güterabwägung kein reines Aufrechnen von + und – ist, sondern auch immer eine Frage von Haltung, Macht, und nicht zuletzt auch von Transparenz.

Und was ist nun mit uns?

Ob im Labor, in Gesellschaft und Politik, oder beim privaten Konsum: Wir sind immer Teil von Güterabwägungen, ob wir das nun wollen oder nicht. Manche Entscheidungen treffen wir bewusst, andere unbewusst, andere werden für uns getroffen, vieles geschieht auch still und unauffällig im Hintergrund.

Vielleicht wäre schon etwas gewonnen, wenn wir diese Prozesse sichtbarer machen würden, öfter nachfragen, und auch offen benennen könnten, welche Werte uns leiten. Am Ende geht es vielleicht nicht um mehr oder weniger abstrakte Güter, sondern um Haltung und die Frage:

Wie wollen wir miteinander und mit der Welt umgehen?


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Peeling away the layers

Zwiebeln schälen und Selbsterkenntnis am Sonntag

Die Zwiebel ist heute einmal unser Sinnbild für die Vielschichtigkeit unseres Daseins. Sehen Sie sie vor sich, haben Sie eventuell sogar eine Gemüsezwiebel griffbereit? „Peeling away the layers“ bedeutet, sich selbst Stück für Stück, Schicht um Schicht näher zu kommen. Es ist ein Prozess des Entlernens, Entspannens, und Erlaubens. Und unter all den vielen „Ich sollte…“-Schichten finden wir dann auch das Wesentliche: Ein Gefühl von Ruhe, Klarheit, und „Ich bin genug„.

Im Coaching begleite ich so einen Prozess daher auch nicht, um Sie in irgendeiner Art und Weise zu „verbessern“, sondern um sie dabei zu unterstützen, wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was längst schon da ist: Ihrem eigenen inneren Mass und dem Gefühl und Gespür für sich selbst. Das hat viel mit Akzeptanz zu tun.

Wie kann das funktionieren? Nun, in meinem kleinen Büro im ausgesprochen unaufgeregten Basler Gotthelfquartier hängt ein gerahmtes Zitat von Carl Rogers:

The curious paradox is that when I accept myself just as I am, then I can change.

Frei übersetzt bedeutet das: “Das seltsame Paradoxon ist, dass, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin, ich die Möglichkeit erlange, mich zu verändern.”

Mit diesem Satz im Kopf entlasse ich Sie in einen hoffentlich erfreulichen und umsichtigen Sonntag.


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Robert Greene und unsere Einzigartigkeit

Das, was dich anders macht, ist deine grösste Stärke –
Die kleine Inspiration zur Wochenmitte.

Robert Greenes Zitat ermutigt uns dazu, uns selbst treu zu bleiben, auch (oder gerade) wenn wir uns anders fühlen. Denn in unserer Einzigartigkeit liegt ein grosses Potenzial für die persönliche Entwicklung.

Wenn Greene hier darüber spricht, was uns „seltsam“ oder „merkwürdig“ macht, dann meint er unsere einzigartigen Eigenschaften und Verhaltensweisen, die möglicherweise nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Sie können als exzentrisch oder eigenartig wahrgenommen werden und werden manchmal vielleicht auch negativ konnotiert.

Doch gerade diese kleinen und grossen Unterschiede, die uns voneinander abheben, sind keine Schwächen, sondern Quellen unserer Kraft, Kreativität und Originalität. Nicht zuletzt ist Vielfalt auch die Basis einer gesunden Gesellschaft.

Besser also, man findet seine Stärke in der eigenen Individualität, anstatt sich ständig anzupassen. Salvador Dalis surreale Kunst zum Beispiel ist deshalb so einzigartig, weil er seine Individualität akzeptierte. Zelebrieren wir also einmal unsere Eigenheiten, anstatt uns dem anzupassen, was als „normal“ gilt.

Ausserdem: Wer definiert überhaupt „normal“?

Einzigartigkeit akzeptieren und annehmen

Manche Menschen kommen zu mir ins Coaching, weil sie sich permanent verstellen und anpassen, oder auch weil sie unsicher sind, ob sie so wie sie sind, als „richtig“ oder „gut genug“ wahrgenommen werden. Diese Art zu denken und zu leben ist sehr anstrengend, geht an die Substanz, und ist nicht nachhaltig.

Ein gutes Coaching hilft dabei, die eigenen sogenannten „Macken“ nicht länger als Makel, sondern als Stärke zu sehen und als Ressource zu erkennen und zu nutzen.

Authentizität als persönliche Kraftquelle nutzen

Im Coaching finden wir heraus, wer du jenseits von Erwartungen, Rollenbildern, und Glaubenssätzen wirklich bist. Wenn du dich mit dem verbinden kannst, was dich wirklich ausmacht, führt das zu mehr Klarheit, einer verbesserten inneren Stabilität und erleichtert es dir, einem authentischen Lebensweg zu gestalten.

Einzigartigkeit in eine neue Wirksamkeit transformieren

Was im Alltag als Macke oder Makel erlebt wird, kann im Coachingprozess die Eintrittskarte für deine persönliche Entwicklung sein.

Zum Beispiel:

  • Eine besonders empfindsame Person lernt, ihre hohe Empathie als gefragte Stärke in einem multikulturellen, multinationalen Team einzusetzen.
  • Eine kreativ-chaotische Denkerin erkennt, dass ihre unkonventionellen Ideen besonders gebraucht werden, wenn sich ein laufendes Projekt festgefahren hat.
  • Ein Mensch mit einer aussergewöhnlichen Biografie nutzt diese Vielfalt an Erfahrungen, um anderen Menschen alternative Wege aufzuzeigen.

Wachstum beginnt, wenn wir aufhören, uns zu verstecken. Gutes Coaching fördert die Akzeptanz der eigenen Besonderheiten, nicht um besser zu funktionieren, sondern um aus dem Vollen zu leben.


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Die Pinguingeschichte von Dr. med. Eckart von Hirschhausen

Die Pinguingeschichte von Dr. med. Eckart von Hirschhausen, den ich sogar ein Mal persönlich treffen durfte, ist eine seiner bekanntesten und beliebtesten Metaphern. Sie stammt ursprünglich aus dem Buch „Glück kommt selten allein …“ und ist eine Allegorie für Selbstakzeptanz und die Suche nach dem richtigen Umfeld, um sich zu entwickeln.

Die Botschaft: Jeder Mensch hat seine Stärken!

Und in der passenden Umgebung kommen diese Stärken zur Geltung und wir fühlen uns wohl – so wie der Fisch Pinguin im Wasser.

Hier ist die Geschichte also noch einmal zum Nachlesen und Nachdenken:


Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!” Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war. Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.

Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!” Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.

Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!”

Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.

Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist, wie die anderen sei getrost: Andere gibt es schon genug!

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das Krankenhaus gegen die Bühne getauscht habe. Meine Stärke und meine Macke ist die Kreativität. Das heißt, nicht alles nach Plan zu machen, zu improvisieren, Dinge immer wieder unerwartet neu zusammen zu fügen. Das ist im Krankenhaus ungünstig. Und ich liebe es, frei zu formulieren, zu dichten, mit Sprache zu spielen. Das ist bei Arztbriefen und Rezepten auch ungünstig. Auf der Bühne nutze ich viel mehr von dem was ich bin, weiß, kann und zu geben habe. Ich habe mehr Spaß, und andere haben mit mir mehr Spaß. Live bin ich in meinem Element, im Flow!

Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und Schwimm!

Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.


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