In den letzten Jahrzehnten habe ich geforscht, gelernt, gelehrt, und moderiert – und auch mehrere Expeditionen ins ewige Eis unternommen. Diese Expeditionen gehören zu den grössten Abenteuern meines Lebens, vor allem mein Trip in die Antarktis war etwas Besonderes. Meine Reise ans Ende der Welt lässt sich an anderer Stelle nachlesen.
Was mich dabei über die ganzen Jahre nicht losgelassen hat, ist die Frage: Wie kann Wissenschaft (be-)greifbar, verständlich, und relevant für alle und nicht nur für uns Fachleute werden?
Deshalb setze ich mich für eine dialogorientierte Wissenschaftskommunikation ein. Ich halte Vorträge, entwickle interaktive Formate, und bringe Menschen ins Gespräch über Zellen und Organismen, die Polarregionen der Erde, den menschlichen Ressourcenhunger, das Weltklima, die Umwelt, und nicht zuletzt unsere Verantwortung.
Daher suche ich weitere Partner:innen für Citizen-Science-Projekte, Vortragsformate, oder Mitmach-Events, z. B. an Schulen, in Gemeinden, in Museenoder Vereinen, oder auch privat organisiert.
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Im Aargau, am historischen Stern von Laufenburg, soll der weltweit grösste Batteriespeicher entstehen. Ein Projekt, das gleichzeitig als „Jahrhundertchance“ (FlexBase) und „falsche Technologiewahl“ (ETH) bezeichnet wird.
Während die einen in der Redox-Flow-Batterie die Lösung für die Energiewende sehen, warnen andere vor hohem Risiko und unklarer Rentabilität. Schauen wir uns das also einmal an…
Projektziel
Der neue Batteriespeicher in Laufenburg soll dabei helfen, das europäische Stromnetz stabil zu halten. Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne liefern manchmal unregelmässig Strom. Das liegt in der Natur der Sache, ist aber einer der Faktoren, die sich problematisch auf die Netzstabilität auswirken können. Wird auf einmal sehr viel oder sehr wenig Strom ins Netz eingespeist, kann das Stromnetz im schlimmsten Fall sogar zusammenbrechen. Ein Batteriespeicher reagiert innerhalb von Millisekunden und kann diese Schwankungen ausgleichen und damit das Netz schützen.
Der vorgesehene Standort Laufenburg ist kein Zufall, denn hier laufen die Stromnetze Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz zusammen. Das ist also ein idealer Ort für ein Projekt, das die Stabilität des europäischen Stromnetzes sichern soll. Marcel Aumer, CEO der FlexBase Group, will mit dem Technologiezentrum aber nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch die regionale Wirtschaft stärken.
Technologie
Die Anlage setzt auf die Redox-Flow-Technologie. Sie speichert elektrische Energie in Form von chemischen Verbindungen, die in einem Lösungsmittel in flüssiger Form vorliegen. Die Elektrolyte zirkulieren in zwei getrennten Kreisläufen und bleiben auch in der Reaktionszelle durch eine Membran voneinander getrennt. An dieser Membran findet ein Ionenaustausch statt. Dadurch werden die Elektrolyte chemisch reduziert bzw. oxidiert, und die elektrische Energie wird wieder frei.
Schema einer Redox-Flow-Batterie
Die an der Membran ablaufenden Redox-Reaktionen werden durch die Farbverläufe angedeutet. Die Elektrolytlösungen werden in Tanks gespeichert, die deutlich grösser sein können als die eigentliche elektrochemische Zelle, in der die Reaktion stattfindet.
Die Befürworter sehen die Redox-Flow-Technologie als sicher, skalierbar, und nachhaltig an:
Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien sind Redox-Flow-Batterien nicht brennbar und nicht explosiv.
Kapazität und Leistung lassen sich unabhängig voneinander skalieren, das macht Redox-Flow-Batterien ideal für Grossprojekte.
Redox-Flow-Batterien haben eine Lebensdauer von Jahrzehnten und können Tausende von Lade- und Entladezyklen erreichen, ohne an Kapazität zu verlieren.
Doch nicht alle teilen diesen Optimismus. Eine ETH-Studie von 2025 mutmasst, dass sich die Redox-Flow-Technologie nicht durchsetzen wird:
Im Vergleich zu Lithium-Ionen-Batterien erfordern Redox-Flow-Batterien höhere Investitionen pro kWh: Das Projekt in Laufenburg kostet über eine Milliarde (!) Franken.
Die geringe Energiedichte erfordert grosse Tanks und damit viel Fläche. Platz ist eine begrenzte Ressource.
Die Studie prognostiziert, dass Lithium-Ionen-Batterien mit verbesserten Sicherheitsstandards den Markt zukünftig dominieren werden.
Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz
Der Bau hat bereits begonnen und FlexBase geht davon aus, dass der Batteriespeicher termingerecht 2028 in Betrieb genommen werden kann. Das dazugehörige Technologiezentrum soll 2029 folgen. Das Projekt soll über 300 neue Arbeitsplätze schaffen und die lokale Wirtschaft beleben. Die FlexBase Group investiert einen Milliardenbetrag, von dem die Stadt Laufenburg und der Kanton Aargau durch Steuereinnahmen profitieren sollen.
Der fertig gestellte Batteriespeicher soll als „Energiebank“ fungieren: Strom wird gespeichert und bei Bedarf, z.B. zu Spitzenlastzeiten, mit Gewinn wieder verkauft. Unternehmen können Kapazitäten mieten, um ihre Versorgungssicherheit zu erhöhen. Zudem soll die Abwärme des angrenzenden KI-Rechenzentrums allein in Laufenburg 75.000 Tonnen CO₂ in 30 Jahren einsparen. Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung.
Das Projekt in Laufenburg wird bereits jetzt als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnet und die Genehmigung des 800-MW-Netzanschlusses durch Swissgrid ist ein deutliches Signal in dieser Richtung. Die Gemeinde Laufenburg und der Kanton Aargau unterstützen das Vorhaben aktiv, u. a. durch schnelle Genehmigungen wie z. B. der Erhöhung der Bauhöhe auf 30 Meter.
Skeptische Stimmen sehen Verzögerungen jedoch bereits vorprogrammiert, angesichts der Komplexität des Projekts und möglicher Einsprachen: Anwohner kritisieren die geplante Bauhöhe, und befürchten Lärm- und Umweltbelastungen.
Die enorme Investitionssumme und die Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen werden zusätzlich als Risiko gesehen – insbesondere, da FlexBase keine Namen von Investoren nennt. Es gibt nur Hinweise auf „namhafte Partner“ aus der Schweiz, Deutschland und Liechtenstein. Das wirkt intransparent und führt zu Spekulationen über die tatsächliche Finanzierungssicherheit. Kritiker betonen, dass derartige Speichersystem oft nur mit staatlichen Subventionen oder durch Sonderregelungen rentabel sind.
Dennoch überwiegt momentan die Unterstützung, da das Projekt als grosse Chance für die Region gesehen wird.
Fazit
Der Batteriespeicher von Laufenburg gilt als kontrovers diskutiertes Leuchtturmprojekt:
Technisch setzt das Projekt auf eine sichere, aber auch umstrittene Technologie
Wirtschaftlich ist die Rentabilität abhängig von den zukünftigen Marktbedingungen und wohl auch von Subventionen
Politisch wird es derzeit gleichzeitig gefeiert und kritisiert
Die schiere Grösse (1,6 GWh) macht das Projekt zu einem Symbol und es wird entweder als Vorbild für die Energiewende oder als teures Experiment in die Geschichte eingehen. Es polarisiert – und vielleicht ist das auch gut so, denn so entsteht auch eine Diskussion über die Zukunft unserer Energieversorgung.
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Vergangene Woche haben die Kantone Basel-Stadt und Aargau gemeinsam das Innovationsförderprogramm FoodHealth lanciert. Dieses bikantonale Programm mit dem gut gemeinten Slogan „From soil to gut“ zielt darauf ab, Innovationen im Bereich Agri- und Foodtech zu stärken, und das Innovationsökosystem in der Nordwestschweiz weiterzuentwickeln.
Für die Pilotphase von 2026 bis 2028 stehen insgesamt 2,12 Millionen Franken zur Verfügung. Basel-Stadt trägt 1,7 Millionen Franken bei, der Kanton Aargau 0,42 Millionen Franken. Das Programm soll Projekte fördern, die nachhaltige und innovative Lösungen in der Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie vorantreiben. Dabei setzen die beteiligten Kantone auf drei Handlungsfelder:
Die Handlungsfelder
Erstens soll das Innovationsökosystem gestärkt werden, indem Wissenschaft und Wirtschaft besser vernetzt werden, und bestehende Forschungsprojekte eine Plattform bekommen sollen
Zweitens werden etablierte Unternehmen dabei unterstützt, neue Technologien und Geschäftsmodelle zu entwickeln, etwa durch Projekte mit Hochschulen
Drittens erhalten Start-ups Zugang zu Coaching, Investor:innen, und Finanzierung, um ihre Ideen zu skalieren
Während diese Initiative also auf Vernetzung, Technologie und Wirtschaftsförderung setzt, bleiben für mich Punkte offen: Am Lancierungsevent wurde viel von „gesunden Lebens-Mitteln“ und „Zukunftstechnologien“ gesprochen, doch der Begriff „Klimakrise“ fiel genau ein Mal, und das Thema planetare Grenzen blieb unberücksichtigt. Dabei brauchen wir nicht nur effizientere Systeme der Lebensmittelgewinnung und eine neue Wertschätzung von Gesundheit und Ernährung, sondern auch einen radikalen Wandel hin zu regenerativer Landwirtschaft und verbindlichem Biodiversitätsschutz. Zwar wurde dies angesprochen, hatte aber eher den Charakter einer Randnotiz.
Planetare Grenzen
Die planetaren Grenzen (Planetary Boundaries) sind ein wissenschaftliches Konzept, das 2009 von einem internationalen Forscherteam um Johan Rockström entwickelt wurde: Es beschreibt neun kritische Prozesse und Systeme der Erde, die für die Stabilität des Erdsystems und damit für das Überleben der Menschheit entscheidend sind. Überschreiten wir diese Grenzen, riskieren wir irreversible Umweltveränderungen und gefährden die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen.
Die neun planetaren Grenzen sind:
Klimaveränderung
Überladung mit neuartigen Stoffen
Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre
Aerosolbelastung der Atmosphäre
Versauerung der Ozeane
Störung der biogeochemischen Kreisläufe
Veränderung in Süsswassersystemen
Veränderung der Landnutzung
Veränderung in der Integrität der Biosphäre
Laut aktuellen Berichten, u. a. vom Stockholm Resilience Centre sind sieben dieser neun Grenzen derzeit überschritten:
Besonders kritisch ist die Situation bei Biodiversität, Klimawandel, und Landwirtschaft:
Das Artensterben schreitet schneller voran als je zuvor in der Geschichte der Menschheit
Die globale Durchschnittstemperatur liegt bereits über 1,5°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau mit dramatischen Folgen für Wetterextreme, Meeresspiegelanstieg, und Ökosysteme
Die industrielle Landwirtschaft ist einer der Haupttreiber für das Überschreiten mehrerer Grenzen, u.a. durch Monokulturen, den Einsatz von Pestiziden, und Überdüngung
Nun fördert die FoodHealth Initiative Innovationen in der Lebensmittelproduktion, setzt aber scheinbar kaum verbindliche ökologische Leitplanken für Klimaneutralität, Biodiversitätsschutz, oder die regenerative Landwirtschaft.
Regenerative Landwirtschaft
Regenerative Landwirtschaft – dazu gehören u.a. Themen wie Humusaufbau, Agroforstwirtschaft, Pestizidverzicht – fördert nicht nur die Biodiversität, sondern bindet auch CO₂ und schont Wasser- und Nährstoffkreisläufe. Sie entlastet also mehrere planetare Grenzen gleichzeitig.
Ohne systemische Anforderungen riskiert selbst die nachhaltigste Foodtech-Innovation, die planetaren Grenzen weiterhin zu überschreiten. Ungünstigstenfalls durch ressourcenintensive Technologien oder die Vernachlässigung von bestehenden Ökosystemen. Ich bin also skeptisch.
Rosarote Brille
Die auf dem Event zitierte „rosige Zukunft“ sehe ich derzeit nicht. Dennoch hoffe ich natürlich, ich werde positiv überrascht: Die Zeit wird es zeigen.
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Weihnachten und Schokolade gehören für viele Menschen einfach zusammen. Allein bei uns in der Schweiz konsumiert jede Person im Durchschnitt über 10kg (!) Schokolade im Jahr und besonders in der Weihnachtszeit steigt die Nachfrage nochmals erheblich. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, wird die Produktion für die Feiertage bereits im Sommer begonnen.
Aber was ist Schokolade eigentlich und wie „funktioniert“ sie?
Xocolātl
Unser Wort „Schokolade“ (genau wie „chocolate“, „cioccolato“, „chocolat“, etc.) ist vermutlich abgeleitet aus dem Nahuatl, der Sprache der Azteken. „Xocolātl“ bezeichnete ein bitteres, schaumiges Kakaogetränk, welches einen sehr hohen Stellenwert hatte: Der Genuss blieb dem Königshaus, dem Adel, und hohen Würdenträgern, sowie den Fernhandelskaufleuten und Kriegern vorbehalten.
Auch der wissenschaftliche Name der Kakaopflanze ist bemerkenswert, dort heisst diese nämlich Theobroma cacao und das bedeutet „Speise der Götter“. Carl von Linné zeigte sich hier poetisch.
Der Weg vom bitterem Getränk für die Auserwählten bis zum Confiserieprodukt für alle war ein langer. Und was die Schokolade von heute so verführerisch macht, ist eine kluge Mischung aus Wissenschaft und Handwerk.
„Schmilzt im Mund und nicht in der Hand„
Den Slogan kennen einige von uns. Aber warum schmilzt Schokolade im Mund und nicht in der Hand?
Der schöne Glanz, das leise Knacken, und wie die Schokolade im Mund schmilzt, ist kein Zufall: Schokolade ist ein Paradebeispiel dafür, wie komplexe Naturwissenschaft im Alltag wirkt.
Physikalisch gesehen ist Schokolade eine Dispersion, deren Eigenschaften vom Kristallzustand der verwendeten Kakaobutter bestimmt werden. Aber eins nach dem anderen…
Die Hauptbestandteile von Schokolade sind:
Die Kakaomasse aus gemahlenen Kakaobohnen. Diese besteht aus der Kakaobutter (Fett) und den Kakaofeststoffen (Aromastoffe, Farbstoffe, Bitterstoffe)
Zucker und je nach Sorte auch Milchbestandteile und weitere Zutaten
In geringen Mengen Emulgatoren (z.B. Lecithin)
Die festen Partikel (Kakaofeststoffe und Zucker) liegen dabei fein im Fett (Kakaobutter) verteilt vor, was Schokolade zu besagter Dispersion macht. Das Fett entscheidet dabei darüber, ob Schokolade glänzt und knackt, oder stumpf und bröselig wirkt.
Der Weg von der Bohne bis zur Tafel
Bevor die Schokoladentafel in unsere Einkaufstasche wandert, hat sie bereits eine erstaunliche Reise hinter sich:
Schritt: Ernte und Fermentation Verschiedene Mikroorganismen bauen Zucker ab, dadurch entstehen Vorstufen erwünschter Aromen.
Schritt: Trocknung Das stoppt die Fermentation am richtigen Punkt (zu viel ist auch hier nicht gut) und stabilisiert das Produkt.
Schritt: Rösten Die u.a. vom braten von Fleisch bekannten Maillard-Reaktionen erzeugen Röstaromen in den Kakaobohnen.
Schritt: Brechen und Mahlen Die Bohnen werden zu Kakaomasse verarbeitet.
Schritt: Mischen Zucker, Milchbestandteile, und weitere Zutaten werden hinzugegeben.
Schritt: Raffinieren Die Kakaofeststoffe in der Masse werden zu Partikeln unter 20–30 Mikrometern zerkleinert.
Schritt: Conchieren
Schritt: Temperieren
Diese beiden letzten Schritte vor der finalen Verarbeitung – das Conchieren und Temperieren – sind entscheidend für das sensorische Erlebnis. Um diese beiden Prozesse geht es weiter unten.
Zunächst einmal befassen wir uns mit der Kakaobutter:
Kakaobutter
Der eigentliche Star der Schokolade ist tatsächlich die Kakaobutter. Sie macht etwa 50 % der Kakaomasse einer anständigen Schokolade aus, und besitzt eine bemerkenswerte Eigenschaft: Die sogenannte Polymorphie (Vielgestalt).
Das bedeutet, dass ein und dasselbe Fettmolekül der Kakaobutter in sechs verschiedenen Kristallstrukturen vorkommen kann. Diese werden durchnummeriert von I bis VI, und unterscheiden sich in Stabilität, Schmelzpunkt, Glanz, und Textur.
Hier eine Übersicht:
Kristallstruktur
Stabilität
Schmelzpunkt
Eigenschaften
I
sehr instabil
ca. 17 °C
weich und bröselig
II
instabil
ca. 21 °C
matt
III
instabil
ca. 26 °C
körnig
IV
mässig stabil
ca. 28 °C
glanzlos
V
stabil
ca. 34 °C
glänzend und knackig, schmilzt im Mund
VI
sehr stabil
ca. 36 °C
hart, entsteht bei Alterung
Für die perfekte Schokolade benötigen wir Kristallstruktur V. Alle anderen führen zu einer glanzlosen Oberfläche, schlechtem Bruch, oder anderen unerwünschten Eigenschaften.
„Schmilzt im Mund und nicht in der Hand„
Huch! Thermodynamik!
Der berühmte „Schmelz“ der Schokolade ist angewandte Thermodynamik: Bei einer Raumtemperatur von ca. 20 °C bleibt Schokolade fest. Der Schmelzpunkt von Kristallstruktur V liegt bei – wie wir oben gesehen haben – 34 °C, und unsere Körpertemperatur wiederum liegt bei ca. 37 °C.
Das Ergebnis: Die Schokolade bleibt stabil in der Hand, schmilzt aber im Mund. Also nicht zu früh und nicht zu spät – Materialwissenschaft in ihrer leckersten Form!
Aber wie kann man das beeinflussen? Das macht man durch das korrekte Temperieren der Schokolade:
Das Temperieren
Beim Temperieren wird die Kristallstruktur der Kakaobutter gesteuert
Vereinfacht gesagt passiert beim Temperieren Folgendes:
Die Schokolade wird vollständig geschmolzen. Dadurch lösen sich alle vorhandenen Kristalle auf. In Wohlgefallen, wenn man so möchte.
Die Schokolade wird danach kontrolliert abgekühlt. Dadurch bilden sich verschiedene Kristallformen.
Dann wird die Schokolade wieder kontrolliert leicht (!) erwärmt. Dadurch schmelzen instabile Kristallstrukturen, und übrig bleibt vor allem unsere erwünschte Kristallstruktur V.
Das Resultat ist ein schöner Glanz und eine stabile Oberfläche, ein guter Bruch, und vor allem das angenehme Schmelzgefühl im Mund.
Ohne korrekte Temperierung wiederum sieht Schokolade schnell alt aus – sogar wenn sie frisch ist. Das weiss jeder, der selbst einmal in der eigenen Küche mit Schokolade gearbeitet hat. Der unschöne grauweisse Belag z.B., den wir manchmal auf der Schokolade sehen, ist meistens nur „Fettreif“. Das passiert, wenn Kakaobutter an die Oberfläche wandert, und dort als Kristallstruktur VI auskristallisiert. Optisch ist das unschön, aber auch vollkommen harmlos. Schokolade mit Fettreif kann bedenkenlos verzehrt werden!
Das Conchieren
Beim Conchieren entsteht durch Reibung Aroma
Über Stunden oder Tage wird die Schokoladenmasse gerührt, gewalzt, und belüftet. Dabei passieren mehrere Dinge gleichzeitig:
Flüchtige Säuren verdampfen und die Schokolade wird weniger scharf
Das Fett verteilt sich gleichmässig um die Kakaofeststoffpartikel
Die Oberfläche wird glatt
Die Aromen runden sich ab
Wissenschaftlich betrachtet ist Conchieren eine Kombination aus physikalischer Feinverteilung von festen und flüssigen Komponenten, chemischer Reifung diverser Aromen, und sensorischer Optimierung.
Fazit: Schokolade ist angewandte Wissenschaft
Schokolade vereint Erkenntnisse aus Chemie und Physik, den Materialwissenschaften, Sensorik und Handwerk. Und sie führt vor Augen, wie kleine Details und wenige Grad Celsius unser Erleben und Empfinden beeinflussen.
Vielleicht schmeckt das nächste Stück Schokolade nun ein wenig anders, wenn du weisst, dass darin sechs mögliche Kristallstrukturen stecken, von denen eine dominiert und nun auf deiner Zunge schmilzt….
Für den geneigten Leser hier ein weiterführender Link zum Laboratory for Chocolate Science (englisch), wo du mehr über die Chemie der Schokolade erfahren kannst.
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Wissenschaft und Kunst werden oft als Gegensätze verstanden: Rational gegen emotional, die objektive gegen die subjektive Wahrnehmung. Doch in Wahrheit suchen sowohl Wissenschaft als auch Kunst nach Erfahrung und Erkenntnis des Lebens und der Welt, in der wir leben. Die Wissenschaft tut dies durch Messungen und Modellierungen, die Kunst durch Imagination und Deutung. Für mich ist das kein Gegensatz.
Und ich bin der Ansicht, wir brauchen beides. Wir befinden uns 2025 in einer Zeit der komplexen Veränderungen und der globalen Krisen. Wir benötigen einen verständigen Zugang zur unserer Welt, den Kunst und Wissenschaft gemeinsam schaffen können.
Das Grosse im Kleinen
Wenn ich in ein Mikroskop sehe, betrachte ich auch nach mehr als 20 Berufsjahren mit Staunen und Freude die biologischen Prozesse in unseren Zellen. Ich sehe Strukturen, Muster, und Vorgänge, die mich in ihrer Eleganz und Ästhetik immer noch faszinieren. Das Spiel von Formen und Funktionen ist für mich nicht nur Wissenschaft, sondern auch Kunst. In dieser Schnittstelle liegt etwas Magisches.
Als Zellbiologin liebe ich das Werk von Ernst Haeckel. Ich bin überzeugt, dass Kunst und Wissenschaft einander nicht nur berühren, sondern sich gegenseitig inspirieren.
Die Ästhetik des Lebens
Ernst Haeckel war Zoologe, Philosoph, Zeichner, Freidenker, Lehrer…und immer auch ein Grenzgänger. Sein Werk Kunstformen der Natur zeigt mikroskopisch kleine Lebewesen in einer erstaunlichen Kombination aus wissenschaftlicher Präzision und künstlerischem Ausdruck: Das „Kaleidoskop der Artenvielfalt“, filigran gezeichnet und symmetrisch komponiert.
Seine Illustrationen beeinflussten nicht nur die Wissenschaft, sondern auch den Jugendstil. Architekten und Designer wie Antoni Gaudí oder René Binet liessen sich von seinen Formen inspirieren.
Auch für mich sind Haeckels Zeichnungen nach wie vor mehr als wissenschaftliche Abbildungen, sie sind eine Einladung zum Staunen und zur Erkenntnis des Wertes allen Lebens.
Ein grünes Kaninchen
Ein persönlicher Brückenschlag zwischen Kunst und Wissenschaft entstand wohl während meiner Diplomarbeit an der Universität Freiburg im Breisgau. Ich arbeitete damals mit GFP, dem grün fluoreszierenden Protein, das zu dieser Zeit ganz neu in der Forschung war. GFP hat die Zell- und Molekularbiologie revolutioniert, weil es ermöglicht, lebende Zellen und ihre Prozesse in Echtzeit sichtbar zu machen, ohne sie zu beschädigen. Durch das Anheften von GFP an Proteine können wir Forschenden beobachten, wo sich diese in der Zelle befinden und wie sie sich verändern. Das war ein entscheidender Fortschritt für das Verständnis zellulärer Mechanismen und in der Folge für die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien.
Gleichzeitig entstanden durch die neue Technologie fotografische Aufnahmen vom Inneren lebender Zellen, die eine ganz neue Ästhetik in der Biologie begründeten. Beispiele dafür finden sich u.a. auf der Seite Deepgreen, einem Projekt, an dem ich auch einst mitwirken durfte.
Ein passendes Symbol für diese neue Sichtweise fand ich daher in Eduardo Kacs “GFP Bunny”: Alba war ein weisses Kaninchen, das unter UV-Licht grün leuchtete. Ein Bild dieses Tieres ziert die zweite Seite meiner Diplomarbeit. Für manche war es ein Skandal, für mich ein logischer Ausdruck dessen, was wissenschaftlich und kulturell zu dieser Zeit geschah: Das Unsichtbare wurde sichtbar gemacht und der Diskurs über Kunst, Wissenschaft, und Ethik geöffnet.
Wissenschaft inspiriert Kunst und Kunst inspiriert Wissenschaft
Alba ist nur eines von vielen Beispielen, in denen sich Kunst sich aus der Wissenschaft entwickelt. Anna Dumitriu zum Beispiel arbeitet mit biodigitalen Installationen. Ihre BioArt bewegt sich zwischen Laborbank und Galerie. Die Bionische Architektur nimmt sich die Natur zum Vorbild: Das Eastgate Centre in Simbabwe etwa basiert auf dem Belüftungsprinzip von Termitenhügeln.
Auch Daten selbst werden zu Kunst: In der Data Art entstehen aus Genomsequenzen, Klimamodellen oder zellulären Prozessen visuelle Werke, die informieren und gleichzeitig berühren.
Andersherum bereichert Kunst die Wissenschaft, inbesondere in der Wissenschaftskommunikation. Visual Storytelling, Infografiken, Kunstinstallationen, oder Performances helfen uns dabei, komplexe Inhalte für alle greifbar zu machen. Sie erzeugen Emotionen, schaffen Verbindung und laden zur Auseinandersetzung mit schwierigen Themen ein.
PlanktonArt: Wissenschaft erleben durch Farbe und Form
Diese Verbindung von Kunst und Wissenschaft lebt auch in meinem Projekt PlanktonArt. In meinen Workshops für Kinder und Erwachsene bringen wir mikroskopisch kleine Lebewesen gross raus. Wir lassen uns von den wundersamen Formen des Planktons inspirieren, gestalten farbenfrohe Hintergründe, und experimentieren mit Linien, Symmetrien, Kontrasten, und der Schönheit des Zufalls.
Die künstlerische Umsetzung wird je nach Alter und Erfahrung der Teilnehmenden mal einfacher, mal herausfordernder, aber immer erfahrbar gestaltet. Ziel ist es nicht nur, das Leben in einem Wassertropfen zu malen, sondern es als Teil unserer Welt wahrzunehmen und zu verstehen. So entsteht aus der wissenschaftlichen Beobachtung der künstlerische Ausdruck und umgekehrt.
Diese Workshops machen Wissenschaft kreativ erfahrbar. Sie sind eine Einladung zum Staunen, zum Lernen, und zum Erkennen: Die Welt ist voller Kunstwerke, wenn wir genau hinsehen. Die Schönheit der Natur ist im Kleinsten erfahrbar.
PlanktonArt: Eine Einladung
Wenn ich in ein Mikroskop schaue, sehe ich nicht nur Zellen, ich sehe Ideen. Und wenn ich Workshops gebe oder selbst male, dann sehe ich wie die Faszination der Wissenschaft erfahrbar wird.
PlanktonArt ist meine Einladung, Wissenschaft auf neue Weise zu erleben – in Farbe, Form, und durch das eigene Tun. Ob als Workshop für Schulen, Museen, Veranstaltungen, oder als Beitrag zur Wissenschaftskommunikation, ich freue mich über Anfragen, Kooperationen, und interessierte Mitreisende in eine Welt zwischen Forschung und Fantasie.
Neugierig geworden? Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten oder einen Workshop für Kinder oder Erwachsene buchen möchten, kontaktieren Sie mich gerne und unverbindlich:
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