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Coaching und Beratung Denkanstoss

Die Rehabilitation der Unsicherheit

Die Komplexität der Gegenwart gibt uns keine einfachen Antworten.
Das können wir nutzen.

Ich wünsche dir einen guten Start ins neue Jahr – mit Aufmerksamkeit für dich selbst, Offenheit für das Ungewisse, und Raum für neue Fragen!


Zum Jahresbeginn scheinen einfache Antworten besonders gefragt. Ich selbst ertappe mich dabei: Unser Leben ist kompliziert genug, daher streben wir nach guten Vorsätzen und definierbaren Zielen. Wir schreiben Listen dessen, was wir dieses Jahr anders machen werden, was wir erreichen, und was wir hinter uns lassen möchten.

Der Wunsch dahinter ist verständlich, denn in unserer unübersichtlichen Welt versprechen Antworten Sicherheit. Sie geben uns das Gefühl, auf das, was da kommen mag, vorbereitet zu sein. Und während ich diese Sätze in die Tatstatur meines alten iMacs tippe, ist mir natürlich klar, dass das nicht funktioniert. Und dir, während du das hier liest – vermutlich auch.

Wir leben in einer komplexen Gegenwart und werden direkt oder indirekt beeinflusst durch geopolitische Spannungen, ökologische Krisen, und gesellschaftliche Umbrüche. Daher lassen sich viele der Fragen, mit denen wir heute konfrontiert sind, nicht mehr einfach und eindeutig lösen. Die Dinge sind vielschichtiger und widersprüchlicher, miteinander verknüpft und voreinander abhängig. Jede Antwort scheint weitere Fragen zu erzeugen.

Das ist nicht angenehm.
Aber was, wenn wir beginnen, uns einfach darauf einzulassen?

Antworten geben Struktur und helfen uns handlungsfähig zu bleiben. Jedoch haben sie eine Kehrseite: Sie schliessen Möglichkeiten aus, sie schliessen Türen. Antworten beruhigen uns, manchmal zu unrecht. Das Vorgehen bestimmter gesellschaftlicher Strömungen und politischer Parteien z.B. beruht, wie wir wissen, auf (zu) einfachen Antworten auf komplexe Probleme.

Fragen hingegen halten Möglichkeiten offen: Sie erlauben es, Unsicherheit als Teil des Lebens wahrzunehmen und zuzulassen. Fragen lassen uns genauer hinsehen. Komplexe Zeiten verlangen vielleicht nicht nach mehr Gewissheit – die ist ohnehin trügerisch – sondern nach mehr Raum für Möglichkeiten.

In einer Welt, die sich ständig verändert, kann das eine hilfreiche Haltung sein. Wie wäre es, wenn wir das neue Jahr nicht mit Vorsätzen beginnen, sondern mit Fragen?

Gute Vorsätze folgen ja einem vertrauten Muster: Ich „weiss“, was richtig ist und setze es – endlich!! – um. Dieses Wissen ist aber nicht immer so sicher, wie es scheint. Manchmal beruht es auf alten Annahmen, überholten Selbstbildern, oder gesellschaftlichen Erwartungen.

Fragen wiederum lassen Raum lassen für Ambivalenz und Veränderung. Gute Fragen für das sich noch neu und gerade frisch ausgepackt anfühlende Jahr sind z.B.:

  • Was möchte ich?
  • Warum?
  • Welche Themen in meinem Leben benötigen mehr Aufmerksamkeit?
  • Welche Antworten trage ich mit mir, weil sie mir Sicherheit geben?
  • Wo könnte ich mehr Unsicherheit aushalten?

Unsicherheit hat einen schlechten Ruf. Das finde ich furchtbar, denn Unsicherheit ist meines Erachtens ein Ausdruck von Verantwortung. Wer die Welt ernst nimmt, kann – darf – sich nicht immer 100% sicher sein. Wer nationale und globale Zusammenhänge bedenkt, weiss, dass einfache Lösungen selten ausreichen. Unsicherheit ist Verantwortungsbewusstsein und bedeutet, sich der Tragweite von Entscheidungen bewusst zu sein.

Vielleicht ist das eine angemessenere Haltung für unsere Zeit als der Ruf nach einfachen Antworten. Fragen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Aufmerksamkeit für uns selbst, für andere, und für die komplexe Welt, in der wir leben. Unsicherheit gehört zu uns und zu unserem Leben dazu. Also können wir ihr auch die Tür öffnen und sie hereinlassen.

Das neue Jahr muss also nicht mit dieser viel bemühten Klarheit beginnen, es darf auch einfach mit Offenheit starten. Mit Fragen, die nicht sofort beantwortet werden müssen, und vor allem mit der Bereitschaft, uns gegenseitig zuzuhören, dazuzulernen, und unsere eigenen Gewissheiten immer wieder…in Frage zu stellen.

Vielleicht ist das ein tauglicher Vorsatz für das noch junge Jahr: Weniger nach Antworten suchen, sondern nach besseren Fragen.


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Denkanstoss Humanismus

Güterabwägung

Wie wir zwischen Werten navigieren und einer zentralen Frage auf die Spur kommen

Neulich sass ich mit einem Freund, ebenfalls Naturwissenschaftler, wochenends beim Kaffee. Wir sprachen über Tierversuche, ein Thema, das uns beide aus beruflichen Gründen seit etlichen Jahren begleitet. Wie viel Leid darf man Tieren zumuten, wenn dadurch vielleicht Therapien für schwerkranke Menschen möglich werden? Macht es dabei einen Unterschied, ob diese Menschen bereits im Kindesalter oder erst am Ende ihres Lebens schwer erkranken? Und wenn ja, warum?

Nach einiger Zeit realisierten wir, dass wir eigentlich über die aktuelle Weltlage und den anthropogenen Klimawandel sprachen. Denn auch hier geht es um dasselbe Problem – eine Güterabwägung.

Was bedeutet Güterabwägung?

Eine Güterabwägung liegt immer dann vor, wenn verschiedene Werte, Rechte, oder Interessen miteinander kollidieren und wir nicht allen gleichzeitig im gleichen Ausmass gerecht werden können. In diesem Fall müssen wir eine Art von Balance finden.

Im Alltag entscheiden wir uns ständig: Arbeite ich heute z.B. 2 Stunden länger oder verbringe ich den Abend mit meiner Familie? Auf gesellschaftlicher Ebene sind diese Konflikte grösser und deren Folgen weitreichender.

Thema Tierversuche

In der biomedizinischen Forschung lautet die Frage oft, ob man einer definierten Anzahl von Tieren Leiden zufügen darf, um dadurch Erkenntnisse zu gewinnen, die wiederum viele Menschenleben retten könnten.

Befürworter:innen argumentieren utilitaristisch, dass das Leid weniger Tiere dem potenziellen Nutzen für viele Menschen gegenüber steht. Gegner:innen nehmen eine deontologische Perspektive ein und sagen, Tiere dürfen nicht als Mittel zum Zweck benutzt werden.

Praktisch sucht man Kompromisse und wendet heute etwa das 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine) an. Dennoch bleibt dieser Konflikt vorerst bestehen, und jede Entscheidung innerhalb dieser Thematik spiegelt unsere Wertvorstellungen wieder.

Thema Klimakrise

Beim Klimawandel zeigt sich die Güterabwägung in anderer Form: Hier und heute liegt der Fokus auf dem Wirtschaftswachstum, auf günstiger Energie, Mobilität, und dem Wunsch nach Konsum. Dem gegenüber stehen die Rechte zukünftiger Generationen auf eine bewohnbare Erde, der Schutz der Biodiversität, und globale Gerechtigkeit.

Auch hier sind die entsprechenden Güter nicht direkt miteinander vergleichbar. Und während ein Versuchstier im Labor sichtbar oder unsichtbar in unterschiedlichem Masse leidet, sind die negativen Folgen der Klimakrise räumlich und zeitlich verschoben und gelangen generell langsamer in unser Bewusstsein.

A aerial view captured one day after a massive avalanche, triggered by the collapse of the Birch Glacier, shows the destruction it caused as it swept down to the valley floor and demolishing the village of Blatten, Switzerland, Thursday, May 29, 2025. A large part of the village of Blatten, located in the Loetschental Valley in the canton of Valais, was buried under masses of ice, mud, and rock. Numerous houses were destroyed, and one person is missing. Between May 19 and 28, several million cubic meters of rock fell from the Kleines Nesthorn mountain above Blatten. This created a nine-million-tonne debris cone on the Birch Glacier, which ultimately collapsed on May 28, 2025. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Dennoch ähneln sich beide Fragestellungen, denn wir nehmen Schaden an einem Ort oder zu einer Zeit in Kauf, um an anderer Stelle einen Nutzen zu erzielen.

Philosophische Perspektiven

Verschiedene philosophische Schulen bieten verschiedene Zugänge, mit diesen Konflikten umzugehen. Hier einige sehr vereinfacht dargestellte Konzepte zur Einordnung:

  • Utilitarismus
    Handlungen sind dann moralisch richtig, wenn sie den grösstmöglichen Nutzen für die grösstmögliche Zahl an Betroffenen erzeugen. Kosten und Nutzen werden also direkt gegeneinander abgewogen.
  • Deontologie
    Bestimmte Handlungen sind unabhängig von ihren Folgen geboten oder verboten. Das bedeutet, moralische Pflichten und Rechte haben Vorrang vor allen Nutzenabwägungen.
  • Tugendethik
    Im Zentrum steht nicht allein die Handlung, sondern die Haltung der Handelnden. Tugenden wie Besonnenheit, Mässigung, Achtsamkeit, oder Verantwortung sollen das Handeln leiten.
  • Diskursethik
    Moralische Normen erlangen nur dann Gültigkeit, wenn sie in einem fairen Diskurs aller Betroffener zustimmungsfähig sind. Diejenigen, die selbst keine Stimme haben – wie die zukünftigen Generationen, Tiere, Menschen in besonders betroffenen Gebieten – benötigen nach diesem Konzept Stellvertreter:innen.

Natürlich liefert keine dieser Perspektiven eine einfache Lösung. Das ist unbefriedigend, aber das zeigt uns auch, dass Güterabwägung kein reines Aufrechnen von + und – ist, sondern auch immer eine Frage von Haltung, Macht, und nicht zuletzt auch von Transparenz.

Und was ist nun mit uns?

Ob im Labor, in Gesellschaft und Politik, oder beim privaten Konsum: Wir sind immer Teil von Güterabwägungen, ob wir das nun wollen oder nicht. Manche Entscheidungen treffen wir bewusst, andere unbewusst, andere werden für uns getroffen, vieles geschieht auch still und unauffällig im Hintergrund.

Vielleicht wäre schon etwas gewonnen, wenn wir diese Prozesse sichtbarer machen würden, öfter nachfragen, und auch offen benennen könnten, welche Werte uns leiten. Am Ende geht es vielleicht nicht um mehr oder weniger abstrakte Güter, sondern um Haltung und die Frage:

Wie wollen wir miteinander und mit der Welt umgehen?


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Peeling away the layers

Zwiebeln schälen und Selbsterkenntnis am Sonntag

Die Zwiebel ist heute einmal unser Sinnbild für die Vielschichtigkeit unseres Daseins. Sehen Sie sie vor sich, haben Sie eventuell sogar eine Gemüsezwiebel griffbereit? „Peeling away the layers“ bedeutet, sich selbst Stück für Stück, Schicht um Schicht näher zu kommen. Es ist ein Prozess des Entlernens, Entspannens, und Erlaubens. Und unter all den vielen „Ich sollte…“-Schichten finden wir dann auch das Wesentliche: Ein Gefühl von Ruhe, Klarheit, und „Ich bin genug„.

Im Coaching begleite ich so einen Prozess daher auch nicht, um Sie in irgendeiner Art und Weise zu „verbessern“, sondern um sie dabei zu unterstützen, wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was längst schon da ist: Ihrem eigenen inneren Mass und dem Gefühl und Gespür für sich selbst. Das hat viel mit Akzeptanz zu tun.

Wie kann das funktionieren? Nun, in meinem kleinen Büro im ausgesprochen unaufgeregten Basler Gotthelfquartier hängt ein gerahmtes Zitat von Carl Rogers:

The curious paradox is that when I accept myself just as I am, then I can change.

Frei übersetzt bedeutet das: “Das seltsame Paradoxon ist, dass, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin, ich die Möglichkeit erlange, mich zu verändern.”

Mit diesem Satz im Kopf entlasse ich Sie in einen hoffentlich erfreulichen und umsichtigen Sonntag.


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Robert Greene und unsere Einzigartigkeit

Das, was dich anders macht, ist deine grösste Stärke –
Die kleine Inspiration zur Wochenmitte.

Robert Greenes Zitat ermutigt uns dazu, uns selbst treu zu bleiben, auch (oder gerade) wenn wir uns anders fühlen. Denn in unserer Einzigartigkeit liegt ein grosses Potenzial für die persönliche Entwicklung.

Wenn Greene hier darüber spricht, was uns „seltsam“ oder „merkwürdig“ macht, dann meint er unsere einzigartigen Eigenschaften und Verhaltensweisen, die möglicherweise nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Sie können als exzentrisch oder eigenartig wahrgenommen werden und werden manchmal vielleicht auch negativ konnotiert.

Doch gerade diese kleinen und grossen Unterschiede, die uns voneinander abheben, sind keine Schwächen, sondern Quellen unserer Kraft, Kreativität und Originalität. Nicht zuletzt ist Vielfalt auch die Basis einer gesunden Gesellschaft.

Besser also, man findet seine Stärke in der eigenen Individualität, anstatt sich ständig anzupassen. Salvador Dalis surreale Kunst zum Beispiel ist deshalb so einzigartig, weil er seine Individualität akzeptierte. Zelebrieren wir also einmal unsere Eigenheiten, anstatt uns dem anzupassen, was als „normal“ gilt.

Ausserdem: Wer definiert überhaupt „normal“?

Einzigartigkeit akzeptieren und annehmen

Manche Menschen kommen zu mir ins Coaching, weil sie sich permanent verstellen und anpassen, oder auch weil sie unsicher sind, ob sie so wie sie sind, als „richtig“ oder „gut genug“ wahrgenommen werden. Diese Art zu denken und zu leben ist sehr anstrengend, geht an die Substanz, und ist nicht nachhaltig.

Ein gutes Coaching hilft dabei, die eigenen sogenannten „Macken“ nicht länger als Makel, sondern als Stärke zu sehen und als Ressource zu erkennen und zu nutzen.

Authentizität als persönliche Kraftquelle nutzen

Im Coaching finden wir heraus, wer du jenseits von Erwartungen, Rollenbildern, und Glaubenssätzen wirklich bist. Wenn du dich mit dem verbinden kannst, was dich wirklich ausmacht, führt das zu mehr Klarheit, einer verbesserten inneren Stabilität und erleichtert es dir, einem authentischen Lebensweg zu gestalten.

Einzigartigkeit in eine neue Wirksamkeit transformieren

Was im Alltag als Macke oder Makel erlebt wird, kann im Coachingprozess die Eintrittskarte für deine persönliche Entwicklung sein.

Zum Beispiel:

  • Eine besonders empfindsame Person lernt, ihre hohe Empathie als gefragte Stärke in einem multikulturellen, multinationalen Team einzusetzen.
  • Eine kreativ-chaotische Denkerin erkennt, dass ihre unkonventionellen Ideen besonders gebraucht werden, wenn sich ein laufendes Projekt festgefahren hat.
  • Ein Mensch mit einer aussergewöhnlichen Biografie nutzt diese Vielfalt an Erfahrungen, um anderen Menschen alternative Wege aufzuzeigen.

Wachstum beginnt, wenn wir aufhören, uns zu verstecken. Gutes Coaching fördert die Akzeptanz der eigenen Besonderheiten, nicht um besser zu funktionieren, sondern um aus dem Vollen zu leben.


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Humanismus

Shake the dust

„Shake the dust“ von Anis Mojgani ist ein eindringliches Spoken-Word-Gedicht für uns alle, für die Kraft der Verletzlichkeit, für den Ausdruck des Ich, für die Liebe, und für die Menschlichkeit.

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Kooperation Kunst Wissenschaftskommunikation

Mit Pinsel und Pinzette

Wissenschaft und Kunst werden oft als Gegensätze verstanden: Rational gegen emotional, die objektive gegen die subjektive Wahrnehmung. Doch in Wahrheit suchen sowohl Wissenschaft als auch Kunst nach Erfahrung und Erkenntnis des Lebens und der Welt, in der wir leben. Die Wissenschaft tut dies durch Messungen und Modellierungen, die Kunst durch Imagination und Deutung. Für mich ist das kein Gegensatz.

Und ich bin der Ansicht, wir brauchen beides. Wir befinden uns 2025 in einer Zeit der komplexen Veränderungen und der globalen Krisen. Wir benötigen einen verständigen Zugang zur unserer Welt, den Kunst und Wissenschaft gemeinsam schaffen können.

Das Grosse im Kleinen

Wenn ich in ein Mikroskop sehe, betrachte ich auch nach mehr als 20 Berufsjahren mit Staunen und Freude die biologischen Prozesse in unseren Zellen. Ich sehe Strukturen, Muster, und Vorgänge, die mich in ihrer Eleganz und Ästhetik immer noch faszinieren. Das Spiel von Formen und Funktionen ist für mich nicht nur Wissenschaft, sondern auch Kunst. In dieser Schnittstelle liegt etwas Magisches.

Als Zellbiologin liebe ich das Werk von Ernst Haeckel. Ich bin überzeugt, dass Kunst und Wissenschaft einander nicht nur berühren, sondern sich gegenseitig inspirieren.

Die Ästhetik des Lebens

Ernst Haeckel war Zoologe, Philosoph, Zeichner, Freidenker, Lehrer…und immer auch ein Grenzgänger. Sein Werk Kunstformen der Natur zeigt mikroskopisch kleine Lebewesen in einer erstaunlichen Kombination aus wissenschaftlicher Präzision und künstlerischem Ausdruck: Das „Kaleidoskop der Artenvielfalt“, filigran gezeichnet und symmetrisch komponiert.

Seine Illustrationen beeinflussten nicht nur die Wissenschaft, sondern auch den Jugendstil. Architekten und Designer wie Antoni Gaudí oder René Binet liessen sich von seinen Formen inspirieren.

Auch für mich sind Haeckels Zeichnungen nach wie vor mehr als wissenschaftliche Abbildungen, sie sind eine Einladung zum Staunen und zur Erkenntnis des Wertes allen Lebens.

Ein grünes Kaninchen

Ein persönlicher Brückenschlag zwischen Kunst und Wissenschaft entstand wohl während meiner Diplomarbeit an der Universität Freiburg im Breisgau. Ich arbeitete damals mit GFP, dem grün fluoreszierenden Protein, das zu dieser Zeit ganz neu in der Forschung war. GFP hat die Zell- und Molekularbiologie revolutioniert, weil es ermöglicht, lebende Zellen und ihre Prozesse in Echtzeit sichtbar zu machen, ohne sie zu beschädigen. Durch das Anheften von GFP an Proteine können wir Forschenden beobachten, wo sich diese in der Zelle befinden und wie sie sich verändern. Das war ein entscheidender Fortschritt für das Verständnis zellulärer Mechanismen und in der Folge für die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien.

Gleichzeitig entstanden durch die neue Technologie fotografische Aufnahmen vom Inneren lebender Zellen, die eine ganz neue Ästhetik in der Biologie begründeten. Beispiele dafür finden sich u.a. auf der Seite Deepgreen, einem Projekt, an dem ich auch einst mitwirken durfte.

Ein passendes Symbol für diese neue Sichtweise fand ich daher in Eduardo Kacs “GFP Bunny”: Alba war ein weisses Kaninchen, das unter UV-Licht grün leuchtete. Ein Bild dieses Tieres ziert die zweite Seite meiner Diplomarbeit. Für manche war es ein Skandal, für mich ein logischer Ausdruck dessen, was wissenschaftlich und kulturell zu dieser Zeit geschah: Das Unsichtbare wurde sichtbar gemacht und der Diskurs über Kunst, Wissenschaft, und Ethik geöffnet.

Wissenschaft inspiriert Kunst und Kunst inspiriert Wissenschaft

Alba ist nur eines von vielen Beispielen, in denen sich Kunst sich aus der Wissenschaft entwickelt. Anna Dumitriu zum Beispiel arbeitet mit biodigitalen Installationen. Ihre BioArt bewegt sich zwischen Laborbank und Galerie. Die Bionische Architektur nimmt sich die Natur zum Vorbild: Das Eastgate Centre in Simbabwe etwa basiert auf dem Belüftungsprinzip von Termitenhügeln.

Auch Daten selbst werden zu Kunst: In der Data Art entstehen aus Genomsequenzen, Klimamodellen oder zellulären Prozessen visuelle Werke, die informieren und gleichzeitig berühren.

Andersherum bereichert Kunst die Wissenschaft, inbesondere in der Wissenschaftskommunikation. Visual Storytelling, Infografiken, Kunstinstallationen, oder Performances helfen uns dabei, komplexe Inhalte für alle greifbar zu machen. Sie erzeugen Emotionen, schaffen Verbindung und laden zur Auseinandersetzung mit schwierigen Themen ein.

PlanktonArt: Wissenschaft erleben durch Farbe und Form

Diese Verbindung von Kunst und Wissenschaft lebt auch in meinem Projekt PlanktonArt. In meinen Workshops für Kinder und Erwachsene bringen wir mikroskopisch kleine Lebewesen gross raus. Wir lassen uns von den wundersamen Formen des Planktons inspirieren, gestalten farbenfrohe Hintergründe, und experimentieren mit Linien, Symmetrien, Kontrasten, und der Schönheit des Zufalls.

Die künstlerische Umsetzung wird je nach Alter und Erfahrung der Teilnehmenden mal einfacher, mal herausfordernder, aber immer erfahrbar gestaltet. Ziel ist es nicht nur, das Leben in einem Wassertropfen zu malen, sondern es als Teil unserer Welt wahrzunehmen und zu verstehen. So entsteht aus der wissenschaftlichen Beobachtung der künstlerische Ausdruck und umgekehrt.

Diese Workshops machen Wissenschaft kreativ erfahrbar. Sie sind eine Einladung zum Staunen, zum Lernen, und zum Erkennen: Die Welt ist voller Kunstwerke, wenn wir genau hinsehen. Die Schönheit der Natur ist im Kleinsten erfahrbar.

PlanktonArt: Eine Einladung

Wenn ich in ein Mikroskop schaue, sehe ich nicht nur Zellen, ich sehe Ideen. Und wenn ich Workshops gebe oder selbst male, dann sehe ich wie die Faszination der Wissenschaft erfahrbar wird.

PlanktonArt ist meine Einladung, Wissenschaft auf neue Weise zu erleben – in Farbe, Form, und durch das eigene Tun. Ob als Workshop für Schulen, Museen, Veranstaltungen, oder als Beitrag zur Wissenschaftskommunikation, ich freue mich über Anfragen, Kooperationen, und interessierte Mitreisende in eine Welt zwischen Forschung und Fantasie.

Neugierig geworden? Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten oder einen Workshop für Kinder oder Erwachsene buchen möchten, kontaktieren Sie mich gerne und unverbindlich:


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Menschlichkeit in Zeiten der Polykrise

Eigentlich wollte ich darüber nicht schreiben. Aber es lässt mir keine Ruhe.

Gestern stand ich inmitten von Kisten und Paletten. Jede einzelne war gefüllt mit Hilfsgütern: Familienzelte für verschiedene Klimazonen, Wasseraufbereitung, Seife, Decken, Desinfektionsmittel, Babynahrung, Schmerzmittel, Insektenschutz, Spielzeug, Kochutensilien, mobile Sanitäranlagen, etc.

Diese Hilfsgüter stehen bereit um dorthin geschickt zu werden, wo Menschen alles verloren haben. Ich war zu Gast im Logistikzentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes in der Nähe von Bern und mir war selbstverständlich klar, dass dies kein gewöhnlicher Abend werden würde.

Was ich dann dort hörte, war schwer auszuhalten. In verschiedenen Vorträgen und Berichten wurde erläutert, wie und wo das Schweizerische Rote Kreuz bei Katastrophenfällen weltweit tätig wird.

Die Erzählung einer Hebamme, die erst kürzlich aus Rafah zurückgekehrt ist, hat mich besonders getroffen. Sie sprach ruhig und mit einer Klarheit, die das Ausmass des unermesslichen Leids in Ansätzen spürbar machte. Ihre Worte liessen niemanden unberührt. Im Publikum sassen gestandene Männer, denen die Tränen in die Augen stiegen. Und ich dachte: Wie viel Schmerz kann ein Mensch aushalten? Wie viel Schrecken kann die Welt aushalten?

Aber dann war da noch etwas im Raum, trotz aller Not und trotz allem Leids. Da war eine eine Kraft, eine Entschlossenheit, eine stille Menschlichkeit. Es war bewegend zu erfahren, mit wie viel Engagement, Wissen, und Mitgefühl das SRK und seine Schwestergesellschaften weltweit Menschen helfen. Mitten im Chaos entstehen rettende Strukturen, mitten in der Verzweiflung zeigt sich die Menschlichkeit…und mitten in der Dunkelheit gibt es ein wenig Licht.

Mir field ein Satz ein, den ich seit Jahren mit mir trage. Er stammt von Fred Rogers, einem US-amerikanischen Kinderfernsehmoderator, dessen Mutter ihm einst riet:

Look for the helpers. You will always find people who are helping.

Such‘ nach den Helfern. Du wirst immer Menschen finden, die helfen.

Dieser Satz ist eine Einladung, den Blick nicht abzuwenden, sondern hinzusehen und dabei nicht nur das Entsetzen, sondern auch die Hoffnung zu erkennen. Es gibt sie, die Helfenden. Sie fahren in Krisengebiete und organisieren Versorgungslieferungen. Sie leisten medizinische Hilfe, begleiten Geburten unter Beschuss, bauen Notunterkünfte auf, bilden Freiwillige auf der ganzen Welt aus, trösten, retten, schützen.

„Look for the helpers“ bedeutet keineswegs, naiv zu sein. Es bedeutet, der Hoffnung Raum zu geben. Es bedeutet nicht, die Realität zu verklären, sondern sie in ihrem ganzen Spektrum zu sehen: die Grausamkeit und auf der anderen Seite die Menschlichkeit, die ihr standhält.

Gestern habe ich die Helfer gesehen. Nicht nur in den Geschichten der Menschen, die vor Ort in Krisengebieten im Einsatz waren, sondern auch in den Gesichtern der Logistiker:innen, der Ärzt:innen, der Koordinatoren, der vielen Freiwilligen. Ich bin so dankbar, dass es solche Menschen gibt.

Wir alle sind Menschen und jeder von uns kann helfen. Durch die aktive oder passive Unterstützung entsprechender Organisationen, aber auch in unserem Alltag, im Da-Sein, im Zuhören, im Teilen, und im Handeln.

Aber das Wichtigste was wir tun können, ist nicht wegzusehen.


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