Oder: Wie man mit krisenbedingten Neuausrichtungen zurecht kommt, ohne den Verstand zu verlieren.
Teil 1: Die Mitarbeitenden

In den letzten Jahren ist in der Schweiz eine Zunahme an Restrukturierungen und Insolvenzen zu beobachten. Der Druck auf Unternehmen steigt und darauf müssen sie reagieren. Und das hat Konsequenzen für viele von uns. Ich ertappe mich dabei, Freunde, die ich länger nicht gesehen habe, beim Wiedersehen zu fragen: „Na? Auch gerade am restrukturieren?“
Oft genug ist die Antwort ein knirschendes Ja.
Restrukturierungen sind tiefgreifende Veränderungen in Unternehmen, die notwendig werden, wenn bestehende Strukturen, Geschäftsmodelle, oder finanzielle Rahmenbedingungen nicht mehr tragfähig sind. Häufig entstehen sie als Folge von wirtschaftlichem Druck. Ziel einer Restrukturierung ist es, das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Dazu können verschiedene Massnahmen getroffen werden: Strukturelle Anpassungen, Kostenabbau, Fokus auf profitable Geschäftsbereiche, oder auch eine komplette strategische Neuausrichtung.
Obwohl Restrukturierungen im besten Fall die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens sichern können, können sie für die Mitarbeitenden ausserordentlich belastend sein.
Was macht das mit mir?
Eine Restrukturierung führt meist zu einer Veränderung der Arbeitssituation. Vielleicht verändert sich deine Rolle im Unternehmen, dein Team, oder ihr habt auf einmal merklich mehr Arbeit auf dem Tisch. Wenn Stellen gestrichen, aber Aufgaben nicht angepasst werden, kommt es zu einer erhöhten Arbeitsbelastung für die verbleibenden Mitarbeiter. Gleichzeitig können diese unter einer Art von Survivor’s Guilt leiden, wenn sie im Unternehmen verbleiben, während ihre Kollegen entlassen werden. Vielleicht gibt es neue Aufgaben, Vorgesetzte, oder Arbeitsmethoden bei gleichzeitig unklaren Erwartungen. Möglicherweise ist eine Umschulung nötig, oder eine funktionale oder geografische Versetzung. Die meisten Menschen reagieren darauf mit einem Gefühl von Kontrollverlust.
Standortbestimmung
Kontrollverlust führt zu Stress, Unsicherheit, und Orientierungslosigkeit. Diese Empfindungen sind normal und valide. Aber was fangen wir nun damit an?

Am Besten erst einmal eine Standortbestimmung. Dazu brauchst du nicht viel, einen Stift und Papier. Nun stellst du dir drei Fragen:
- Wo stehe ich gerade?
Nimm‘ Dir ein paar Minuten Zeit und reflektiere deine aktuelle berufliche Situation. Schreibe 5 Stichworte auf, die deine momentane Lage beschreiben.
Zum Beispiel:
- Ich bin überfordert
- Wohin geht die Reise?
- Sinn??
- Ich will mein Team nicht verlieren
- Unsicher, wie es weitergeht
- Was gibt mir Energie und was raubt mir Energie?
Nun teile einen Zettel in zwei Spalten:
Links: Was stärkt mich im Alltag?
Rechts: Was entzieht mir Kraft?
Zum Beispiel:
| Was stärkt mich im Alltag? | Was entzieht mir Kraft? |
|---|---|
| Austausch mit den Kolleg:innen | Unklare Zielsetzungen |
| Erfolgserlebnisse | Zu viele Meetings |
| Fokuszeiten | Gerüchteküche |
- Was brauche ich und was ist mein nächster Schritt?
Stelle dir diese zwei Fragen:
1. Was wünsche ich mir kurz- und mittelfristig?
2. Was kann ich tun, um dorthin zu kommen?
Schreib‘ nur einen konkreten nächsten Schritt auf, der dir hilft, Klarheit zu finden oder eine Veränderung zu schaffen. Dieser Schritt muss klein und realistisch durchführbar sein! Baby steps!
Zum Beispiel:
- Ich nehme mir morgen abend 30 Minuten Zeit, um meine beruflichen Ziele aufzuschreiben.
- Ich rede mit der Teamleitung über meine Rolle im aktuellen Projekt.
- Ich aktualisiere mein LinkedIn-Profil.
- Ich melde mich für ein internes Weiterbildungsangebot an.
So eine Standortbestimmung kannst du alle paar Monate wiederholen. Am besten machst du das schriftlich, dadurch wirst du dir gegenüber verbindlich.
Abgedroschen: Krise als Chance
Dennoch kann Wandel tatsächlich zur Chance werden, wenn sich neue Perspektiven auftun oder der Impuls zur beruflichen Neuorientierung gegeben wird. Besonders Menschen mit hoher Veränderungskompetenz, Weiterbildungsbereitschaft, und einem guten Netzwerk können in dieser Situation sogar profitieren.
Wenn du als Mitarbeiter:in in einer Restrukturierung Hilfe brauchst, bitte such‘ sie Dir. Es gibt verschiedene Angebote, die in Frage kommen, zum Beispiel…
Klassisch: Individuelles Coaching
Ein 1:1-Coaching, eine Kurzzeitintervention, oder ein Reflexionsgespräch hilft dir beim Umgang mit Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, oder Überforderung.
Mögliche Themen:
- Erweiterung der persönlichen Standortbestimmung
- Stärkung von Resilienz, Selbstwirksamkeit, und Selbstvertrauen
- Arbeit mit Ängsten, Abschied, Wut, oder Schuldgefühlen
- Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche
Progressiv: Workshops und Gruppenformate
Workshops und Gruppenformate, besonders in Kombination mit kreativen Methoden wie z. B. Lego® Serious Play® erleichtern euch den Austausch im Team, fördern die emotionale Entlastung, und das kollektive Lernen.
Mögliche Themen:
- Sicher durch den Wandel (Resilienz)
- Stärken erkennen und nutzen (Ressourcenaktivierung)
- Was bleibt und was geht? (Abschied und Übergang)

Ich berate dich gerne. Wollen wir reden?
Teil 2: Das Unternehmen erscheint in einer Woche.

One reply on “Na? Auch gerade am restrukturieren?”
[…] 1: Die Mitarbeitenden erschien am 13. Juni 2025 und ist hier […]
LikeLike