Ein kleines Plädoyer für ein oft übersehenes Satzzeichen

„Da ist ein Komma zu viel.“
Diesen Satz höre ich regelmässig. In Kommentaren, in Textkorrekturen, in Nachrichten von wohlmeinenden Bekannten.
Dabei ist dieses Komma nicht „zu viel“, sondern es befindet sich dort mit Absicht: Es ist nämlich mein Oxford-Komma.
Ich schätze Klarheit in der Sprache ebenso wie in der Zusammenarbeit. Ich mag es, wenn Aufzählungen nicht doppeldeutig sind, wenn Gedanken sich schriftlich sauber sortieren lassen, und wenn ein kleines Satzzeichen dabei helfen kann, Missverständnisse zu vermeiden.
Das Oxford-Komma tut genau das. Und daher ist es seit vielen Jahren mein stilistischer Sidekick in wissenschaftlichen Artikeln, in Projektberichten, Schulungsunterlagen, Kurseinladungen, Blogartikeln, und Ritualtexten.
Aber der Reihe nach…

Was ist überhaupt das Oxford-Komma?
Das Oxford-Komma, auch als serielles Komma oder der grösste Unruhestifter in der Grammatik bekannt, ist das Komma, das in einer Aufzählung vor dem „und“, oder vor dem „oder“ gesetzt wird. Ein klassisches Beispiel aus dem Englischen, wo es ursprünglich herkommt:
„I dedicate this book to my parents, Rick Astley and God.“
Huch, sind Ricky Martin und Gott etwa die Eltern? Oder wurden hier gerade drei verschiedene Empfänger der Buchwidmung genannt? Obwohl wir uns das in diesem Fall denken können, wird es mit dem Oxford-Komma wirklich eindeutig:
„I dedicate this book to my parents, Rick Astley, and God.“
Das ist einfach und wirkungsvoll. Und auch im Deutschen kann das Oxford-Komma Klarheit schaffen:
„Ansprechpartner sind: Dr. Feldmann, die Leitung Finanzen und IT.“
Moment, handelt es sich bei Dr. Feldmann um die Leitung von Finanzen und IT? Mit dem Oxford-Komma wird verständlich, dass es sich um drei verschiedene Entitäten handelt:
„Ansprechpartner sind: Dr. Feldmann, die Leitung Finanzen, und IT.“
Warum ich das Oxford-Komma verwende
Ich verwende das Oxford-Komma nicht aus Pedanterie (nun ja, vielleicht ein bisschen), sondern aus Überzeugung, weil es Klarheit schafft:
- Sprache darf präzise sein, und gerade in meiner Arbeit im Projektmanagement, in der Wissenschaftskommunikation, und auch in anderen Bereichen zählt jedes Wort.
- Zudem verhindert das Oxford Komma Missverständnisse, besonders in komplexen Aufzählungen mit zusammengesetzten Begriffen, wie sie in Forschung und Wissenschaft häufig vorkommen.
- Das Oxford Komma ist konsequent, und ich schätze Konsistenz in Texten, in Projekten und Prozessen, und in der Arbeit mit Menschen.
- Es ist Teil meines stilistischen Ausdrucks.
„Aber das macht man doch nicht!“
Ja, im Deutschen ist der Einsatz des Oxford-Kommas ungewöhnlich. Es ist jedoch nicht per se falsch, nur unüblich. Und wie so oft bei unseren sprachlichen Konventionen führt das Erscheinen einer ungewohnten Komponente manchmal zu einer Abwehrreaktion, die sich in voreiligen Korrekturen bis hin zu offener Empörung äussert.
Das kennen wir aus anderen Bereichen.
Aber Sprache lebt, sie verändert sich, sie passt sich an. Sie spiegelt uns alle wieder: unsere Gemeinschaft, unsere Werte, und unseren Ausdruck. Unsere Sprache beeinflusst unser Denken und unser Denken beeinflusst unsere Sprache. Für mich sind Klarheit und Verständlichkeit wichtig, daher verwende ich das Oxford-Komma.
Was das Oxford-Komma mit meiner Arbeit zu tun hat
Warum ich mich so leidenschaftlich für ein Komma einsetze?
Ganz einfach: Es geht mir ums Prinzip. Das Oxford-Komma ist für mich ein Symbol für Sorgfalt und Ernsthaftigkeit in der Kommunikation.

Und das ist mir sehr wichtig: Egal ob ich Texte schreibe oder mit Menschen arbeite, ich möchte, dass Informationen ankommen. Unsere Sprache ist ein wunderbares Werkzeug, eine Brücke, eine Einladung, und manchmal eben ein Extra-Komma.
Und du?
Verwendest du das Oxford-Komma? Ist dir dieser kleine Unterschied schon einmal aufgefallen, oder sogar ebenso wichtig wie mir?
Ich freue mich über Rückmeldungen, Lieblingsbeispiele, Komma-Konflikte, und Lösungen. Schreib mir gerne oder hinterlasse einen Kommentar – mit oder ohne Oxford-Komma.
Übrigens: In meinem Newsletter geht’s regelmässig um Klarheit, Kommunikation, und kreative Kommata. Ausserdem um Gedanken und Geschichten aus Projektmanagement, Wissenschaft, Beratung, und manchmal auch aus der Küche.
Hier kannst du ihn direkt abonnieren:
Entdecke spannende Geschichten, grosse und kleine Einblicke, und wertvolle Inspiration: Hier findest du alle bisher veröffentlichten Artikel.
