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Leichtigkeit

Aus dem Buch von Samantha Cristoforetti, das sich während meiner Reise ans Ende der Welt gelesen habe, stammt der Satz:

„Für mich verbindet sich Leichtigkeit mit Präzision und Bestimmtheit, nicht mit Vagheit oder Vertrauen auf den Zufall. Wie Paul Valéry gesagt hat: »Es gilt leicht zu sein wie ein Vogel, nicht wie eine Feder.« (Italo Calvino, Amerikanische Vorlesungen.)

Wir stellen uns Leichtigkeit oft als etwas Zufälliges vor, wie ein Geschenk an einem guten Tag, an dem auf einmal alles mühelos erscheint. Aber echte Leichtigkeit ist etwas anderes: Sie ist das Ergebnis von Training, Präzision, und bewusster Entscheidung.

Der Vogel nutzt den Wind, aber er überlässt sich ihm nicht. Er fühlt, richtet seinen Körper im Wind aus, wählt den Moment zum Abflug, steuert. Die Feder dagegen, die wird getrieben – ohne Ziel, ohne Richtung, ohne irgendeinen Einfluss.

Diese Unterscheidung regt mich zum Nachdenken an, besonders, wenn ich mich an Situationen erinnere, in denen ich diese echte Leichtigkeit spüre: Auf einem Boot bei einem schwierigen Manöver – wenn nach Stunden des Trainings jeder Handgriff sitzt. Beim Schreiben, wenn sich Gedanken zu einer Geschichte formen – weil ich ihnen den Raum gegeben habe, den sie benötigen. Oder auch im Coaching, wenn im richtigen Moment die passende Frage kommt und der richtige Impuls entsteht – nicht zufällig, sondern durch gute Vorbereitung und Aufmerksamkeit in jedem Moment.

Leichtigkeit ist dann nicht das Gegenteil von Anstrengung, sondern eine Qualität, die durch Konzentration und Hingabe entsteht. Durch das Vertrauen auf Erfahrung und Intuition.

Vielleicht brauchen wir heute mehr von dieser Art Leichtigkeit im Leben, im Arbeiten, im Miteinander. Weniger Treibenlassen, mehr bewusstes Fliegen.

Wann hast du zuletzt diese echte Leichtigkeit gespürt?


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Menschlichkeit in Zeiten der Polykrise

Eigentlich wollte ich darüber nicht schreiben. Aber es lässt mir keine Ruhe.

Gestern stand ich inmitten von Kisten und Paletten. Jede einzelne war gefüllt mit Hilfsgütern: Familienzelte für verschiedene Klimazonen, Wasseraufbereitung, Seife, Decken, Desinfektionsmittel, Babynahrung, Schmerzmittel, Insektenschutz, Spielzeug, Kochutensilien, mobile Sanitäranlagen, etc.

Diese Hilfsgüter stehen bereit um dorthin geschickt zu werden, wo Menschen alles verloren haben. Ich war zu Gast im Logistikzentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes in der Nähe von Bern und mir war selbstverständlich klar, dass dies kein gewöhnlicher Abend werden würde.

Was ich dann dort hörte, war schwer auszuhalten. In verschiedenen Vorträgen und Berichten wurde erläutert, wie und wo das Schweizerische Rote Kreuz bei Katastrophenfällen weltweit tätig wird.

Die Erzählung einer Hebamme, die erst kürzlich aus Rafah zurückgekehrt ist, hat mich besonders getroffen. Sie sprach ruhig und mit einer Klarheit, die das Ausmass des unermesslichen Leids in Ansätzen spürbar machte. Ihre Worte liessen niemanden unberührt. Im Publikum sassen gestandene Männer, denen die Tränen in die Augen stiegen. Und ich dachte: Wie viel Schmerz kann ein Mensch aushalten? Wie viel Schrecken kann die Welt aushalten?

Aber dann war da noch etwas im Raum, trotz aller Not und trotz allem Leids. Da war eine eine Kraft, eine Entschlossenheit, eine stille Menschlichkeit. Es war bewegend zu erfahren, mit wie viel Engagement, Wissen, und Mitgefühl das SRK und seine Schwestergesellschaften weltweit Menschen helfen. Mitten im Chaos entstehen rettende Strukturen, mitten in der Verzweiflung zeigt sich die Menschlichkeit…und mitten in der Dunkelheit gibt es ein wenig Licht.

Mir field ein Satz ein, den ich seit Jahren mit mir trage. Er stammt von Fred Rogers, einem US-amerikanischen Kinderfernsehmoderator, dessen Mutter ihm einst riet:

Look for the helpers. You will always find people who are helping.

Such‘ nach den Helfern. Du wirst immer Menschen finden, die helfen.

Dieser Satz ist eine Einladung, den Blick nicht abzuwenden, sondern hinzusehen und dabei nicht nur das Entsetzen, sondern auch die Hoffnung zu erkennen. Es gibt sie, die Helfenden. Sie fahren in Krisengebiete und organisieren Versorgungslieferungen. Sie leisten medizinische Hilfe, begleiten Geburten unter Beschuss, bauen Notunterkünfte auf, bilden Freiwillige auf der ganzen Welt aus, trösten, retten, schützen.

„Look for the helpers“ bedeutet keineswegs, naiv zu sein. Es bedeutet, der Hoffnung Raum zu geben. Es bedeutet nicht, die Realität zu verklären, sondern sie in ihrem ganzen Spektrum zu sehen: die Grausamkeit und auf der anderen Seite die Menschlichkeit, die ihr standhält.

Gestern habe ich die Helfer gesehen. Nicht nur in den Geschichten der Menschen, die vor Ort in Krisengebieten im Einsatz waren, sondern auch in den Gesichtern der Logistiker:innen, der Ärzt:innen, der Koordinatoren, der vielen Freiwilligen. Ich bin so dankbar, dass es solche Menschen gibt.

Wir alle sind Menschen und jeder von uns kann helfen. Durch die aktive oder passive Unterstützung entsprechender Organisationen, aber auch in unserem Alltag, im Da-Sein, im Zuhören, im Teilen, und im Handeln.

Aber das Wichtigste was wir tun können, ist nicht wegzusehen.


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